Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388743
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GUIDO RENI. 
Zu der bescheidenen Kunstweise des Domenichino steht 
die des Guido Reni (1575-1642) in einem eigenthümlichen 
Gegensatz. Jener war schlicht und einfach, mehr auf tiefe und 
ernste Begründung des Gegenstandes und treuen Ausdruck 
wirklicher Empfindung, als auf äusserliche Wirkung gerichtet. 
Dieser kühn und frei, rasch und entschieden im Arbeiten, mehr 
auf ein gewisses allgemeines Ideal und die Erreichung einer 
bestimmten Wirkung gerichtet, gleichviel, 0b dieselbe, wie im 
Anfang seiner künstlerischen Laufbahn, eine düstere, mächtige 
und imponirende sei, oder, wie in späteren Werken, eine vor- 
nehm gefällige, einschmeichelnde. Malvasia, der mit beiden 
Künstlern befreundet war, hat, ausser dem schon oben bei Do- 
menichino angeführten Gegensatz, Domenichino die Tiefe des 
Wissens und die Wahrheit im Ausdruck der Leidenschaften 
und Empfindungen nachgerühmt, Guido Reni rühmt er nobilta 
und himmlische Ideen (celeste idee) nach. Unter Nobiltä ist hier 
nicht der wahre innere Adel des Gedankens zu verstehen, son- 
dern eine gewisse äusserliche Noblesse, ein vornehmer Anstand. 
Ganz dasselbe sagt Annibale Caracci von ihm aus, in einem Briefe 
an Lodovico: win Beziehung auf eine gewisse Anmuth und Ma- 
jestät, die seine eigentlichen Gaben sind, ist er unübertrefilichw 
Auch hier ist Majestät in einem mehr äusserlichen Sinne zu 
fassen. Und in der That, Guido Reni ist der Maler jener No- 
blesse und Majestät, die recht eigentlich den Gegensatz zu der 
schlichten, aber innerlich tieferen und wahreren Kunstweise des 
Domenichino bildet. Man kann sagen, dass auch die Charaktere 
und die äusseren Lebensverhältnisse der beiden Meister in 
einem ähnlichen Gegensatze stehen. Domenichino einfach, still, 
bescheiden; Guido voll Selbstbewusstsein, stolz auf seine Kunst, 
vornehm. Wie er in der Kunst vornehm war, war er es auch im 
Leben. Kein Wunder, dass er in einer Zeit, die mehr als jede 
andere auf die Würde der äusseren Erscheinung Werth legte, 
als der Erste aller Künstler betrachtet wurde. Kam in Domeni- 
chino jene reflektirende, nach Wissen und wahrem tiefem Ge- 
halt begierige Richtung des 17. Jahrhunderts zur Erscheinung, 
wie sie namentlich die Caraccfs in die Kunst eingeführt hatten, 
so in Guido das Streben nach persönlicher Geltung, die Freude an 
äusserlicher Wirkung, die Lust an der Repräsentation, die so tief 
in allen Verhältnissen des damaligen Lebens begründet lagen.
        

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