Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388674
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Nachdem ich eine solche Menge von Schwierigkeiten be- 
kämpft, Wie deren kaum die ganze Hölle zu ersinnen ver- 
mag, so habe ich sie alle mit der Hülfe des Herrn und des heil. 
Januarius überwunden. Mir blieb nur noch ein Augenblick Zeit, 
als zu meinem letzten Missgeschick mir der Vicekönig einige 
Bilder auftrug; ich machte sie sehr ungern, nachdem ich ihn 
ursprünglich gar nicht bedienen wollte, ehe er nicht Selbst, 
damit ich mir nichts Vergabe, es von den Herren Deputirten 
erwirkt hätte, dass sie mir die Arbeit gestatteten und mir die- 
selbe selbst auftrügen. Als ich nun einen Aufschub des Termins 
für die beiden Bilder, die ich malte, und für die beiden andern 
verlangte, die noch zu machen waren, konnte ich dies weder 
von dem Vicekönige, noch von den Deputirten auf irgend eine 
Weise erlangen, nur dass ganz unverhofft der mit meiner 
Angelegenheit betraute Deputirte sagte, dass sie entschlossen 
seien, mir die Oelbilder für die Altäre ganz zu nehmen. Ich 
erwiderte darauf, dass sie wollten, ich solle weggehen; worauf 
er meinte: Geht nur immer; aber überlegfs Euch wohl! Zuletzt 
kam es dahin, dass ich verlangte, mir den Kontrakt aufrecht zu 
erhalten, und darauf antwortete er mir: Und wenn zehn Kon- 
trakte da wären, so sollte ich doch meine Absicht nicht erreichen. 
Und er stellte mir die Frage: Wer ist Herr in Neapel? Der 
Vicekönig, und damit ist's genug.  
Den Tag darauf wurde mir gesagt, es sei ein Billet von 
Sr. Excellenz für mich da. Ich aber, indem ich eine grosse 
Misshelligkeit voraus sah,  denn die Gewalt reitet auf der Ver- 
nunft hier zu Lande,  habe meines guten Rufes willen das 
geringere Uebel gewählt, und vorgezogen, lieber mein Leben 
der Gefahr auszusetzen, als meines ehrlichen Namens verlustig 
zu gehen, indem Andere den ehrenvolleren und leichteren, ich 
aber den weniger geachteten und mühsameren Theil der Arbeit 
ausführte. 
Ich sage Ihnen für das Anerbieten der Wohnung und 
für die anderen Gefalligkeiten meinen Dank, mit denen Ihre 
Liebenswürdigkeit mich zu erfreuen weiss. Sobald ich mich
        

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