Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388644
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der Erste der Lombarden, war Nachahmer gleichsam einer hö- 
heren Natur (oder Nachahmer der Natur in einem höheren 
Sinne), indem er dieselbe in einer zarten, glücklichen und zu- 
gleich edlen Weise nachbildete und sich so seine eigene Manier 
schuf. Die Toskaner endlich Waren die Urheber einer von diesen 
ganz abweichenden Manier, indem dieselbe etwas Kleinliches 
und Fleissiges an sich hat und die angewendete Kunst durch- 
blicken lässt. Unter ihnen waren die Ausgezeichnetsten Leo- 
nardo da Vinci und Andrea del Sarto von Florenz. Man kann 
also vier Malweisen in Italien unterscheiden: die römische, die 
venezianische, die lombardische und die toskanische. Die an- 
dern sind nur nebenhergeliend und abhängig von diesen. u Wer 
diese Worte mit dem Anfange unseres Briefes vergleicht  so- 
gar die Reihenfolge der Schulen ist dort beibehalten  wird 
nicht daran zweifeln, dass die Aeusserungen Domenichinds in 
Beziehung zu jener gemeinsamen Arbeit stehen.  Dem Briefe 
selbst ist weder bei Bottari noch bei Bellori ein Datum hinzuge- 
fügt. Ist er aus Bologna geschrieben, so fallt er in die Jahre 1612, 
1617 oder 1622-1623; er kann aber auch aus der Zeit des 
neapolitanischen Aufenthalts herrühren und darauf deutet viel- 
leicht der Umstand, dass er bei Bellori mit vier anderen Briefen 
zusammengedruckt ist, welche sämmtlich aus Neapel vom Jahre 
1638 und 1640 datirt sind. 
DOMENICHINO 
an 
CASSIANO m11. Pozzo. 
Neapeh 
Januar 
1 632. 
Die Autorität, die Ew. Herrl. über meine Person ausübt, 
die gute Meinung, die Sie mir, mehr als ich es verdiente, immer 
über meine Werke ausgesprochen, endlich der Werth, den ich 
auf Ihre Befehle lege, geben mir Grund zu grosser Bathlosig- 
keit, indem ich mich auf der einen Seite für verpflichtet halte, 
dem Wunsche Ew. Herrl. nachzukommen, und auf der andern 
meine Hände mit eisernen Fesseln gebunden sehe, und nun 
nicht weiss, wohin mich wenden. Diese Herren hier haben ge- 
wollt, dass ich mich verpllichte, während dieser Arbeit keinen
        

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