Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388630
später durch ihn sowohl, wie durch seinen Bruder, den Kardinal 
Girolamo Agucchi, vielfach beäüllStigt und empfohlen worden. 
Aus dem Briefe ersieht man, ausser diesen für den Künstler so 
wichtigen persönlichen Beziehungen, auch dessen Neigung, sich 
theoretischen Spekulationen über die Natur der ltlalerei hinzu- 
geben, wie sie damals, meist in ziemlich nutzloser Weise, gern 
angestellt wurden. Schon damals war das Verhältniss der Zeich- 
nung zum Kolorit ein Lieblings-Gegenstand solcher Untersu- 
chungen, wie es dies auch bis auf den heutigen Tag noch ge- 
blieben ist. Ueber das Buch von Alberti s. Künstler-Briefe I. 
S. 25. u. 26; über Lomazzo die Einleitung zu diesem Bande. 
Die Aeusserungen im Anfang des Briefes scheinen übrigens 
eine ganz spezielle Veranlassung zu haben und glaube ich diese 
darin zu erkennen, dass Monsignor Agucchi damals mit einer 
Arbeit über die Malerei beschäftigt war, und zwar gemeinschaft- 
lich erst mit Annibale, oder was wahrscheinlicher ist, mit Ago- 
stino Caracci und dann mit Domenichino. Von dieser gemein- 
samen Arbeit  ein ähnliches Beispiel werden wir später bei 
Fr. Albani kennen lernen  cirkulirten mit dem fingirten Autor- 
namen Graziado Machato mehrere handschriftliche Bruchstücke, 
wie dies aus einer beiläufigen Notiz Malvasiafs im Leben des 
Francesco Albani hervorgeht. 
Auch Bellori erwähnt dieser gemeinsamen Arbeit. Er er- 
zählt, dass es unserm Domenichino von grossem Nutzen gewesen 
sei, von Agucchi in das Studium der Geschichtschreiber und 
Poeten eingeführt zu werden. Dieser nämlich sei ein grosser 
Freund der Malerei gewesen und habe dem Künstler das Wesen 
und die Schönheit der Dichtkunst auseinander gesetzt, auch die 
verschiedenen Mittel und Darstellungsweisen der Dichter und 
Maler mit ihm besprochen. Aus diesen Berathungen mit Dome- 
nichino sei ihm der Entschluss gekommen, eine Abhandlung 
über die Malerei und deren verschiedene Manieren zu schreiben. 
Er theilte dieselbe, wie auch die Malerei des Alterthums, in 
vier Theile oder Schulen. Der von Bellori mitgetheilte Anfang 
dieser Schrift enthält eine allgemeine Bestimmung dieser vier 
Schulen, von der folgendes Fragment hier einen Platz finden 
möge: vDie Römische Schule, deren Häupter Rafael und Michel 
Angelo sind, hat die Schönheit der Statuen zum Vorbilde ge- 
nommen und sich der Kunstweise der Alten genähert. Dagegen 
haben die Meister von Venedig und der trevisanischen Maflf, 
deren Haupt Tizian ist, vielmehr die Schönheit der Natur, wie 
sie unsern Augen vorliegt, nachgeahmt. Antonio von Correggloa 
Kilnstlei-Jzrlefe. n. 5
        

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