Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388604
zahlt. Leider hören wir auch hierüber von anderer Seite Abwei- 
chendes. Die Frau, Sagt Passeri, Marsibilia Barbetta mit Namen, 
sei allerdings sehr schön gewesen, aber stolz, herrschsüchtig und 
interessirt. Er spricht sogar die Vermuthung aus, dass sie am Tode 
der beiden ersten Kinder Schuld gewesen sei und dass auf ihren 
Antrieb später ihre Brüder nach Neapel gekommen seien, um 
dem armen geplagten Domenichino das Leben noch schwerer zu 
machen. Er wird auch wohl in der Ehe ein stiller Mann gewe- 
sen sein. Die Liebe zur Ruhe, die man bei einem solchen 
Charakter schon von vornherein voraussetzen darf, ging bei ihm 
so weit, dass er nicht einmal Hunde, welche die Frau gern hatte, 
im Hause leiden wollte; wenn er arbeitete, hörte man im ganzen 
Hause keinen Laut, wie er auch niemals in Gegenwart Anderer 
gemalt hat. Auch dies hat seinen Neidern Grund zu Verleum- 
dungen gegeben, die Malvasia, wie alle übrigen, gründlich wider- 
legt hat. Das Bild dieses stillen, einfachen, sinnigen Charakters 
 der, wenn je einer sich auch in der künstlerischen Produktion 
des Meisters deutlich abspiegelt  rundet sich noch mehr ab, 
wenn wir noch hinzufügen, dass er auch auf dem Gebiet der 
Architektur bewandert gewesen ist. Dadurc-h, dass sein Gönner, 
der Kardinal Ludovisi, im Jahre 1621 zum Papst gewählt wurde 
 Gregor XV.  öffnete sich ihm die Aussicht, seine Tüchtig- 
keit auch in dieser Kunst bewähren zu können. Gregor XV. rief 
ihn nach Rom und ernannte ihn zum Architekten des päpstlichen 
Palastes. Der rasche Tod dieses Papstes raubte ihm auch diese 
Hoffnung. Er hat es sein ganzes Leben lang bedauert, nie  
mit Ausnahme etwa eines unbedeutenden Portales  Gelegen- 
heit zum Bauen gefunden zu habeif.  Er liebte es, über das 
Wesen der Malerei und über die Weisen der verschiedenen 
Meister nachzudenken. War er doch ein Denker in der Aus- 
übung seiner Kunst selbst! vFilosofava nella pitturaß sagten die 
Freunde von ihm. Ursprünglich von geringer allgemeiner und 
wissenschaftlicher Bildung, ist er namentlich durch den Umgang 
mit dem treffliehen Agucchi zu erweiterten Kenntnissen, ja 
selbst zu einer gewissen literarischen Thätigkeit gebracht wor- 
den. Wir werden beide weiter unten an einer gemeinschaft- 
lichen wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt finden. 
Schliesslieh ist seiner Vorliebe zur Musik Erwähnung zu 
thun. Wie so vielen duldenden Herzen, war auch ihm diese 
Kunst eine Trösterin. Schon seit früher Jugend hat er mit den 
Kapellmeistern Consoni und Righetti verkehrt; als er dem Ueber- 
maass der Widerwärtigkeiten fast erliegend aus Neapel geflohen
        

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