Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388580
DU 
Bei einer der Preisbewerbungen, welche in der Akademie der 
Caracci alle zwei Monat stattfanden, und bei denen Kompositio- 
nen der älteren Schüler nach bestimmten, meist von Agostino 
angegebenen Ideen eingereicht wurden, fand es sich, dass eine 
Zeichnung ohne Namen einstimmig als die beste anerkannt 
wurde. Man war in Verlegenheit, wem der Preis zuerkannt 
werden sollte; die Lehrer forschten nach, und mit Beschämung 
gestand der kleine Domenico, dass die Komposition von ihm 
herrührte. Nur mit der Mütze, sagt Bellori, hätte er sich ge- 
traut, dem fragenden Lehrer ein Zeichen zu geben. Nun war 
Domenichino der Held des Tages; von daher datirt sein Ruf, 
dessen er sich fortan unter den Anhängern der neuen Schule 
erfreute, und wonach er in der Darstellung aller wahren Empfin- 
dung und der tiefsten Erregungen des menschlichen Gemü- 
thes geradezu als der Erste betrachtet wurde; von daher die 
Freundschaft mit seinem Mitschüler Francesco Albani, die ihn 
tröstend und erquickend durch sein ganzes Leben begleitete. 
Und wahrlich, des freundschaftlichen Trostes bedurfte er im 
reichsten Maasse. Schläge freilich gab es nicht mehr  obschon 
später einmal die Bauern von Frascati nicht übel Lust hatten, 
ihn durchzuprügeln, als er eine schöne Frascatanerin in den 
Malereien zu Grotta ferrata (um 1609) portraitirt hatte 1)  aber 
das Leben hat ihm fast keine Art von Kränkung erspart. Er 
war schüchtern, bescheiden und zurückhaltend. Divoto e riti- 
rato nennt ihn Passeri einmal. Kein Wunder, dass er trotz der 
Bemühung einflussreicher Gönner in jener Zeit entfesselten 
Künstler-Ehrgeizes überall vor kühneren Bewerbern zurück- 
stehen, immer mit niedrigeren Preisen zufrieden sein musste. 
Für die Kommunion des h. Hieronymus, die man jetzt mit Ra- 
faePs Transfiguration und Tizian's Himmelfahrt Maria zu den 
Wunderwerken italienischer Kunst zu rechnen pflegt, hat er 
50 Scudi bekommen, während eine Kopie des Bildes bald darauf 
mit 100 Scudi bezahlt wurde. Mit der Transiiguration hat schon 
Poussin das Bild Domenichinols zusammengestellt. Kein Künst- 
ler hat in jener, an Künstler-Feindschaften so reichen Zeit, so 
viel von Nebenbuhlern zu leiden gehabt, als Domenichino; wäh- 
rend er selbst vielleicht nur allzusehr geneigt war, alles Gute 
anzuerkennen, wo er es fand. Dies und der Mangel, vielleicht 
1) Er scheint das Mädchen veliebt zu haben d 11   
 B n  Zrhu t b un wo le S16 hexrathen. 
3:31] äoglntälehirh , muss e aber vor dem Zorn der aufgebrachten Baue",
        

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