Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388565
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Sie dies sehr gut vermögen, nur dass derselbe demüthig sei; 
denn man wird ihn in Rom und vielleicht auch in Bologna lesen. 
Geben Sie ihn dann auf die römische Post, damit er an den 
Herrn Grafen gelangen kann. Entschuldigen Sie mich und 
haben Sie Nachsicht mit der Verstimmung, die mich beherrscht; 
ich bin fast krank vor grosser Melancholie. Beten Sie zu Gott 
für mich in dieser meiner Noth und schenken Sie mir Ihre Hülfe. 
Ich küsse Ihnen die Hand. 
N.S. Wenn es Ihnen nicht passend erscheinen sollte, diesen 
Brief zu schreiben, so füge ich mich ganz Ihrem gelauterten 
Urtheil. Was Ihnen recht scheint, mögen Sie ganz nach Ihrem 
Wohlgefallen ausführen. 
Bottari I. 291.  Lodovico Caracci hatte den Auftrag be- 
kommen, in der Bogenwölbung des Chores von S. Pietro (der 
Kathedrale von Bologna) eine Verkündigung zu malen. DasWerk 
hatte kolossale Dimensionen und das Gerüst genügte nicht, um 
dem Künstler einen richtigen Anblick des Bildes selbst zu gestat- 
ten. Er bat daher Ferrante Carlo, das Bild von unten zu besehen 
und ihm sein Urtheil darüber zu sagen. Dieser, von schwachem 
Gesicht, bemerkte einen Fehler in einerVerkürzung nicht, lobte 
das Bild und Lodovico liess das Gerüst abbrechen. Da ergab 
sich dann, bei vollkommen freier Ansicht, der Fehler, den der 
Meister nicht früher bemerken konnte. Lodovico war ausser sich 
und reichte sogleich bei den Vorsteliern des Baues eine Schrift 
ein, in der er um die Erlaubniss bat, das Gerüst auf seine eigene 
Kosten wieder aufbauen zu lassen, um den Fehler" verbessern 
zu können. Diese Bitte auch bei dem Kardinal Erzbischof von 
Bologna, Lodovico Ludovisi, zu unterstützen, verlangt er in 
obigem Briefe von seinem Freunde, der das Unheil zum Theil 
mit verschuldet hatte. Er erreichte indess seinen Zweck nicht; 
ein Rescript der Herren Fabbriccieri verweigerte ihm in Anbe- 
tracht der grossen Mühe und Unruhe, die dadurch entstehen 
würden, den Wiederaufbau des kolossalen Gerüstes. Damit war 
ihm jede Hoffnung genommen, jenen Fehler zu verbessern. Es 
war dies für den gewissenhaften Künstler, der sein ganzes Leben 
ausschliesslich der Kunstreform geweiht hatte, ein unerträglicher 
und überwältigender Gedanke. Und in der That: der Schmerz, 
der sich schon in unserem Briefe so rührend ausspricht, ergriff
        

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