Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388495
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die bis zum Tode unseres Künstlers reichen.  In Bezug auf 
Lodovicois bescheidene Ablehnung aller ihm nicht gebührenden 
Titel im Eingang des Briefes ist zu bemerken, dass derselbe in 
späterer Zeit, wohl der allgemeinen Zeitrichtung folgend, aller- 
dings auf die äusseren Ehrenbezeugungen und Titulaturen einen 
grösseren Werth gelegt haben mag; er liess sich gegen Ende 
seines Lebens statt i-Messera gern "Sigllorßa, statt "Magnificoa 
gern nlllustreß nennen, gegen welche Bezeichnung er in unserm 
Brief noch protestirt. Er scheint sich Sogar einmal gegen Du]- 
cini darüber beklagt zu haben, dass Monsignor Agucchi, ein 
durch hohe Bildung und freundschaftliche Gesinnung gleich 
ausgezeichneter Gönner der Caracci, ihm in dieser Beziehung 
nicht genug Ehre erwiesen habe. Der Prälat schrieb darauf 
einen äusserst gutmüthigen Brief an Dulcini unter dem 19. Mai 
1618. Er hätte Lodovico titulirt, wie er bisher immer gethan, 
da weder in seiner eigenen noch in des Künstlers Stellung ir- 
gend eine Veränderung eingetreten sei. Titel hingen ja über- 
haupt heut zu Tage ganz von der YVillkür des Einzelnen ab, er 
selbst achte auch sehr wenig auf solche Dinge. Er würde den 
Künstler aber, den er so sehr liebe, sehr gern "lllustrei- oder 
auch vmolto Illustreu nennen. Malvasia 459. Unser einfacher 
und trefflicher Lodovico hat dem schon seit der Mitte des Jahr- 
hunderts herrschenden Streben nach äusserer Ehre und Titeln 
erst spät genug nachgegeben. 
LODOVICO CARACCI 
3.11 
FERRANTE CARLO. 
Bologna, 
Juni 
1616. 
Ich habe nun den Grund gehört, weshalb Sie mit dem 
Schreiben zögerten, obwohl ich ihn mir schon selbst gedacht 
habe. Das kommt davon, dass man am Mittage über den Po geht. 
Es ist auch. gar kein Wunder, wenn Ew. Herrl. so von der Hitze 
gelitten hat, indem Sie zwischen zwei Sonnen waren, zwischen 
Apollo am Himmel und Phaeton im Po. Doch Gott sei Dank, 
dass Sie nun vom Fieber geheilt sind  und dann unmittelbar 
darauf eineso lange Rede in der dortigen Akademie zu halten, 
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