Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388485
desselben nicht mehr ausfindig machen, als was an zufälligen 
Notizen in der Korrespondenz desselben enthalten ist. Danach 
ist er aus Parma gebürtig, befand sich erst in einem Orden und 
trat sodann in die Dienste des Kardinals Sfondrato, Bischofs von 
Cremona, und scheint sich in Folge dieser Stellung in Cremona 
und Bologna aufgehalten zu haben. Später stand er in einem 
ähnlichen Verhältniss zum Kardinal Scipio Borghese, dem Ne- 
poten Papst Paul's V. Dies, so wie sein früherer Aufenthalt in 
Bologna, brachte ihn in Berührung mit einer grossen Anzahl von 
Künstlern, denen er durch seinen Einfluss, so wie durch seine 
Kenntnisse vielfache Dienste zu leisten im Stande war, und 
Dumesnil mag Recht haben, wenn er ihn preist, dass er über 
vierzig Jahre lang der uneigennützigste Beschützer der Künstler, 
so wie ihr aufopferndster Freund und erleuchtetster Rathgeber 
gewesen sei (a. a. O. S. 337). Jedoch darf man nicht, wie Du- 
lnesnil dies thut, ausser Acht lassen, was Malvasia in seiner nur 
kurze Zeit nach dem Tode 1) Carlo's erschienenen Felsina pittrice 
über diesen Kunstfreund aussert. Er erkennt seine grosse Ge- 
lehrsamkeit an, und hebt besonders hervor, dass er sogar grie- 
chisch verstanden habe; vor Allem aber rühmt er seine wpron- 
tezza, versalita ed energia di dire, che fu mostruosaa. Sein 
Verhältniss aber zu Lodovico und Agostino schildert er, wie das 
des Pietro Aretino zum 'l'izian. In Bezug auf Sitte und Charakter 
gewiss der für Carlo ungünstigste Vergleich, den er treffen konnte 
(vergl. Künstler-Briefe I. 212). Wie jener hätte er ihnen die 
Gegenstände ihrer Bilder angegeben, oder vielmehr sich dafür 
iinteressirtn; wie jener ihnen versprochen, zu gelegener Zeit 
ihren Namen zu preisen; wie jener endlich hätte er diese Stel- 
lung benutzt, um Bilder und Zeichnungen von ihnen zu erlan- 
gen. nZu solchen Künsten geschicktß nennt ihn Malvasia, und 
bezeichnet ihn und Dulcini, wie schon oben von letzterem be- 
merkt worden, als winteressirte Füchsen. Namentlich gegen ihn 
sei auch die Abneigung Annibale's gerichtet gewesen, der diese 
vtesta calva, focosa e tutto nasot sehr ungern im Hause sah, 
und ihm den Spottnamen "D. Quattrou gegeben hatte. Wie 
dem aber auch sei, Lodovieo war ihm treu und redlich ergeben, 
wie dies der obige und alle nachfolgenden Briefe dieser Korre- 
spondenz beweisen, deren Zahl sich auf siebenzehn beläuft und 
1) Die Zeit seines Todes ist unbestimmt, doch muss er nach dem 
Datum eines vonlanfranco an ihn gerichteten Briefes noch 1641 am 
Leben gewesen sein. Yergl. unten unter Lanfranco. Der erste Band der 
Felsina ist 1678 erschienen, aber bei weitem früher geschrieben.
        

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