Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382684
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LEoN 
BATISTA 
ALBERTI. 
Es ist uns nicht gestattet, hier ciu ausüihrliches Bild 
des Leon Batista Alberti zu entwerfen, der in Kunst und 
Wissenschaft, in Sitte und Oharacter gleich ausgezeichnet, 
ohne Zweifel mit zu den bedeutendsterl und begabtestcn Män- 
nern gerechnet Werdcn muss, von denen die Kunstgeschichte 
zu melden hat. Die zahlreichen und ausführlichen Bearbei- 
tungen, die diesem grossen Manne zu Theil geworclen sind, 
haben es zur Genüge gezeigt, wie umfassend und "wie folgen- 
reich seine Thätigkeit sowohl auf künstlerischem, als auf 
wissenschafilichem Gebiete gewesen ist. Auf beiden kann er 
uns als Repräsentant jenes grossen Umschwvunges gelten, dan 
(lie WViederc-nwveckung des mit einer fast leidenschaftlichen 
Liebe erfassten klassischen Alterthmns in der damaligen Zeit 
hervorgebracht hat, und zwax- zeigen sich die Folgen jener un- 
begrenzten Hingabe an das Studium 11m1 (lie Ergründung je- 
ner neu entcleckten Welt bei ihm fast in jeäer Richtung sei- 
ner Thätigkeit, man müchte sagen in jeder Seite seines Ge- 
müthes uncl Charakters. Et ist ein Mensch von klassischer 
Grässe 11m1 Abgeschlossenheit, durchdrungen von antikel- WVelt- 
anschauung, von der mittelalterlichen Weltanschauung so voll- 
ständig losgelüst, dass er in clen Erchen nur antike Tempel, 
in den Heiligen nur antike Heroen zu sehen vermag, wie 
dies aus zahlreichen Stellen seiner dreiWerke über Baukunst, 
Sculptur und Malerei hervorgeht. Und damit verbindet sich 
in überraschender Weise ein  uncl eine Ge- 
müthstiefe, die man im Gegensatz zu jener antiken Welt- 
anschauung als modem bezeichnen kiinnte, und von der un- 
ter anderen die von Bandini abgedruckte Einleitung in seine 
Schrift "über (lie Zuüucht vor don Sorgen" ein schänes Bei- 
spiel giebt, indem er darin die erhebende Wirkung schildert, 
welche die Hallen von S. Maria del Fiore und die in denselben 
wunderbar schün erklingencle Musik auf sein Gernüth äusserxl. 
Zu diesem Vereine von Tugenden und Talenten ge- 
sellten sich dann noch eiu edler und grosser Charakter, eine 
für dia damaljge Zeit sehr seltene Sittenreinheit, eine künst- 
lerisch durchgebilclete Feinheit der Sitten  und die lichens- 
1) Eine schr bezeiclmende Stelle darüber befindet sich in der ano- 
nymen Lebensbescllreibung bei Rrluratori Scr. Ber. Ital. XXV. p, 297, 
nach welcher es Albertfs Ansicht gewcsen sein soll, man müsse
        

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