Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387178
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sind. So sehen wir denn in ihm und an seinen innersten 
Empfindungen und Ueberzeugungen jenen Bruch vor sich ge- 
hen, der sich in allen Kreisen der Sitte und der religiäsen 
Anschauung der damaligen Zeit vollzog. Wir sehen eine 
grosse geschichtliche Idee wiederum in und an einem einzel- 
nen Menschetr verkärpert erscheinen. Ammanati, der das ganze 
Bestreben seines früheren Lebens als eitel und verwerHich er- 
kannte, musste unglücklich darüber werden. In der Nackt- 
heit jener früheren Werke, die durch die Uebereinstimmung 
einer unbefangenen und naiven Zeit allgemein gebilligt war, 
findet er Gräuel und Sünde. Es peinigt ihn, dass er die heid- 
nischen Gützen verherrlicht hat, für deren Vernichtung doch 
die heiligen lNIärtyrer einst ihr Blut vergossen. Daher die an 
den Grossherzog gerichtete Bitte, dieselben durch einige Zu- 
thaten in christliche Tugenden verwandeln zu dürfen! 
Daher jene Wärme und Innigkeit, mit denen er seine Kunst- 
genossen Warnt, in ähnliche Fehler zu verfallen! Daher end- 
lich jener Hauch einer tiefen und ungeheuchelten Traurigkeit, 
die durch alle seine Aeusserungen in jenen Briefen hindurch- 
geht! Die Jesuiten, denen er sich als den Vertretern und 
Vorkämpfern jener neuen Richtung des Katholicismus in die 
Arme geworfen batte, scheinen die Betrübniss und die Zer- 
fallenheit des Künstlers wo nicht hervorgerufen, so doch ge- 
fürdert, und zu ihren Zwecken benutzt zu haben, wie ja auch 
schon das Vermägen des Künstlers ihnen zu Theil geworden 
war. Dass auch von diesen Briefen, wenigstens der letztere, 
nieht ohne ihre ganz specielle Einwirkung entstanden ist, geht 
zur Genüge daraus hervor, dass dieser ursprünglich in dem 
Archive des Jesuiterxldosters S. Giovannino zu Florenz gefun- 
den und erst von dort nach dem Collegio Romano, ebenfalls 
einer Jesrütenstiftung, gebracht worden ist. 
Mit jenem vorerwähnten Bruche nun schliesst eine durch 
zwei Jahrhunderte hindurchgehende und an den schünsten und 
edelsten Erscheinungen unendlich reiche. Entwickelungsperiode 
des menschlichen G-eistes ab. Die Briefe Ammanatfs, die uns 
davon sn unzweifelhafte Kunde geben, mägen daher auch die 
Reihe dieser Mittheilungen beschliessen, die eben nur den 
Zweek haben, jenen Entwickelungsgang selbst, insoweit der- 
selbe die Kunst und die Künstler betrifft, zur müglichst kla- 
ren und vollständigen Anschauung zu bringen. 
Üqbbai-
        

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