Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387161
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hier nicht näthig, auf die in den Briefen enthaltenen Einzel- 
heiten ausführlicher einzxlgehen. Die Ansichten Ammanatfs 
über die Kunst und deren Pücge in den Akademieen sind 
so einfach, klar und einleuclntexld vorgetragen, dass sie einer 
weiteren Erläuterung nicht bedürfen. Was die in den Brie- 
fen erwähnten Kunstwerke Ammanati's betrifft, so dürfen die- 
selben zum Theil als bekannt vorausgesetzt werden, zum 
Theil giebt Vasari im Leben des Jac. Sansowrino, dessen 
Schüler er war, (VI. 112) und ausführlicher Baldioneci dar- 
iiber Auskunft (Notizie de' Professori del disegno VI. 1-132). 
Nur iiber die allgemeinere und weitgreifende Bedeutsamkeit 
der Briefe wollen wir hier die Bemerkung hinzufügen, dass 
die darin ausgesprochenen Gesinnungen eben se viel Aeusse- 
rungen_ jenes grossen und gewaltigen Umschwunges sind, wel- 
cher gegen Ende des XVI. Jahrhunderts in Folge der Re- 
formation izuch die ganze katholische Welt ergrifen hatte. 
Die Zeiten jener glänzenden und heiteren Bildung unter Ju- 
lius II. und Leo X. waren vorüber. Damals und sehon frü- 
her hutte eine gewisse Ausgleichung zwischen der christlichen 
Weltanschauung einerseits und der antiken, heidnischen an- 
dererseits stattgefunden. Wir haben schon in der Einleitung 
auf den klassischen Anstrich des ganzen damaligen Lebens 
hingewiesen. In der Kunst stellte sich die vollständige Ver- 
schmelzung jener beiden Welten dar. Es waren die Zeiten, 
in denen man nach nichts anderem strebte, als nach der voll- 
endeten, durch ethischen Gehalt geadelten Schänheit der For- 
men, gleichviel, ob ihr Inhalt christlich oder heidnisch war. 
Daher jene heitere Naivetät, die allen Werken dieser Periode 
innewohnt. Jener Umschwung religiäser Anschauungen und 
Empündungen nun, der gegen das Ende des XVI. Jahrhun- 
derts in den Gemüthern der Menschen stattfand und den 
Ranke so schän geschildert hat, musste auch die Kunst er- 
greifen. Auch hier musste mit den Elementen der klassischen 
Weltanschauung gebrochen werden. Dies kann sich nun so 
zeigen, dass Künstler mit neuen Richtungen und Bestrebun- 
gen auftreten, wie z. B. an den Caracefs u. A. zu sehen ist. 
Oder aber es kann die Veränclerung der Ansichten sich auch 
an solchen bekunden, die ursprünglich ganz der ,,m0dern-an_ 
tiken" Kunstanschauung angehürt haben. Ein solcher ist Am- 
Illänati, 41955611 Gebllrt noch in die Zeit Julius II., dessen 
Jugend in die Le0's X. fällt und dessen Werke alle von jenem 
Geiäte, de? damals auäemein (lie Kunst beherrschte, erfüllt
        

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