Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387118
461 
Wenn wir dies nun aber schon von profanen Schriften 
sagen und glauben, was sollen wir erst von Statuen und Fi- 
guren sagen und glauben, die bei einem einzigen Blick jedes 
Gemüth, und wenn classelbe auch noch geordnet und wohl 
geregelt ist, zu ungeregelten und unehrbaren Gedanken be- 
wegen kännen, und die an äifentlichen Orten ausgestellt sind, 
und von aller Welt gesehen und betrachtet, was doch in dem 
Maasse bei Büchern und Schriften nicht stattündet, als welche 
nicht von Allen gelesen werden künnen. Deshalb werden 
wir denn sagen kännen, dass nicht allein in Tempeln und in 
den heiligen Kirchen keinerlei clerartige büswillige Aufreizun- 
gen aufgestellt werden dürfen, indem man dort 11111" ehrbare 
and heilige Dinge gemalt oder als Bildwerk erblicken S011; 
aber eben so wenieg auch an irgend einem privaterx und pro- 
fanen Orte; denn wie ich oben schon sagte, Wir sind an al- 
len Orten und zu jeder Zeit allen Menschen gegenüber ver- 
pflichtet, uns ehrbar 11m1 keusch zu erwveisen, und als Lieb- 
haber und Bewvahrer der guten Sitten, nicht aber als Feinde 
11m1 Zerstärer derselben. 
Und mtige nun 11m des Himmels willen Niemand sich da- 
mit entschuldigen, dass er meint, dieser Herr ocler jener 
Fürst hat es gewollt uud mir aufgetragen, es so zu machen, 
und ich konnte und durfte ihm nicht widersprechen! Denn 
wenn er ein guter Meister in seiner Kunst ist, so wird er 
sehr wohl Wissen, mit verstänäiger Ueberlegung und Gesclnick 
ein Werk herzustellen, das zugleich Anmuth zeigen und 
Freude erregen wird, ohne dass er äusserlich zu zeigen 
brauchte, wie schmutzig und Heischlich sein Herz inwendig 
sei. Und dann WiSSGU wir doch auch, dass die meisten Men- 
schen, die uns Aufträge geben, uns nicht eine be- 
stimmte Idee vorschreiben, sondern sie stellen dies 
unserem Urtheil gmheim, indem sie sagen, hier müchte ich 
einen Garten haben, oder einen Brunnen, oder einen Fisch- 
teich nder sonst etwas Aehnliches. Sollten sic], aber wirk- 
lich deren finden, die nur unehrbare und garstige 52.011611
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.