Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387107
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chen, das mit Anmuth gelegt und angeordnet sei, als die- 
selbe vollständig nackt und entkleidet darzustellen. .Dass 
dies aber wahr sei, bcweisst das Beispiel tüchtiger und in der 
Kunst erfahrener Männer. Wie vie-l Lob und wie viel Gunst 
hat Messer Jaeopo Sansovino wegen seines h. Jakobus erfah- 
ren, der mit Ausnahme des Theiles zwischen den Armen ganz 
bekleidet ist? S0 grosse, (Iass ich nicht weiss, ob irgend wer 
jemals mit nackten Figuren grüssere erworben hat! 
Der Muses in S. Pietro in Vincoli zu Rem, ist cr nicht. 
avls die schünste Figur Michel Angelo Buonarrotfs berühmt? 
und doch ist cr gxanz und gar bekleidet. 
Eitel aber und schwankend ist der Gedanke der Men- 
schen und namentlich der Jünglinge, die sich meistentheils 
Llaran ergätzen, Ding-e zu machen, die allein die Sinne anzu- 
reizen vermägen, und es sinnt derselbe auf nichts anderes, 
als durch Unkeusehheit zu gefallen. Welcher bäse Gedanke, 
wenn man ihn nicht aus dem Herzen auszurotten sucht, ehe 
er sich darin einnistet, nur allzuschlechte und bittere Früchte 
hervor und zur Reife bringt! Und clann glauben wir, dass 
jene alten und neueren Schriftsteller, die mit so viel ununter- 
brochener Mühe, bei Tag und bei Nacht, auf die Komposi- 
tion von Poesie und Prosa und der schänsten und anmuthig- 
sten, nichts desto weniger aber unehrbarer und unanständiger 
Verse verwandt haben, so dass sie die ganze Welt verdur- 
ben lexaben, dieselben, wenn sie von Neuem ins Leben zu- 
rückkehren künnten, sehr gern zerreissen und sie alle ver- 
brennen und den so geliebten und gesuchten vergänglichen 
Ruhm hassen und Hiehen würden! 
Unglücklich sind dieselben, indem sie richtig, aber viel- 
leicht spät einsehen, Wie sehr ein jedes Ding eitel sei, und 
alles Lob und Ehren, die die Welt gewährexl kann, ihren Ge- 
müthern weder irgend eine Hiüfe noch Unterstützung darbie- 
ten künnen, im besondern aber die ob solcher Werke, von de- 
vnen ich spreche, und die mit so vielen und büsen Beispielen 
angefüllt sind. 
        

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