Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387089
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woBÄl hüten, in den Irrthum und Fehler zu fhllen, in welchem 
ich bei den Arbeiten gestärt bin, indem ich viele meiner Fi- 
garen ganz nackt uncl entblüsst gemacht habe, wyobei ich viel- 
mehr den Gebrauch, oder vielmehr Missbrauch als den 
Gründen derer Folge leistete, 'die vor mir auf dieselbe 
Weise die ihrigen gemacht haben, und die clabei auch nicht 
bedaehten, dass es eine v-iel grüssere Ehre sei, sich als einelz 
ehrbaren und gesitteten Menschen zu erweisen, denn als einen 
eitelen und lasciven, wenn man aueh noch so gut und aus- 
gezeichnet arbeitet. 
Da ich nun diesen meinen in der That nicht gerhlgen 
Fehler und Irrthum in keiner anderen Weise verbessern und 
Wieder gut machen kann,  äenn ich kann unmüglich meine 
Figuren über (lie Seite bringen, noch einem Jeden, der sie 
sieht oder sehen wird, sagen, (lass es mir sehr laid thut, sie 
so genmcht zu haben,  so Will ich es äüentlich schreiben, 
bekennerx, und so viel ich vermag, einem Jeden kund thun, 
wie sehr ich Unrecht gethan habe und wie sehr ich es be- 
dauere und bereue, 11m1 zwar besonders zu dem Ende, da- 
mit die Anderen gewarnt seien, nicht aueh in iliesen schäcl- 
lichen und verderblichen Fehler zu fallexl. Denn ehe man 
dans üfentliche ÄLcben und noch mehr unseren gesegneten 
Gott durch ein schlechtes Beispiel, das man irgend wem giebt, 
gefährdet, sollte man sich lieber den Tod des Kürpers und 
des Rufeas zugleich Wünschen. 
Denn  ist ein sehr grosser und ernster Fehler, nackte 
Statuen, Faune, Satyre und ähnliche zu machen, indem man 
diejenigen Theile entblüsst, die man nur mit Schaam sehen 
kann, uncl welche Vernunft und Kunst uns zu verhüllen ge- 
bieten. Denn wenn auch kein anderes Uebel und kein an- 
derer Vortheil daraus hervorgehen würde, der entsteht ge- 
wiss daraus, dass der unehrbare Sinn, und der gierige Wunsch 
zu gefallen, Welcller den Urheber des Werkes belebte, sicll 
auch der Anderen bemächtigt. Daraus geht dann ferner her-
        

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