Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386997
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Sodann waren Zeichnungen zu diesem Neubau von Bal- 
dassare Peruzzi entworfen worden, dem man eine grosse 
Freiheit zugestanden hatte und über dessen Entwürfe ein 
Bericht von Ercole Seccadinari an die Bauvorsteher der 
Kirche vom Jahre 1521 existirt (Gaye II. 152). Die Zeich- 
nungen nennt Seccadinari äusserst schän und grossartig, sie 
seien aber nicht praktisch, und namentlich wird ihnen vorge- 
worfen, dass sie mit der ursprünglichen Form des Gebäudes 
keine Uebereinstilnmung haben. Eine Federzeichnung der 
Faeade in gothischmn Styl ist nach Gaye noch vorhanden 
und Wird von diesem als sehr schän gelobt. Peruzzi bekam, 
trotzdem sein Entwurf nicht adoptirt wurde, auf Seccadinarfs 
Veranlassurxg eine Belohnung von 18 Liren; Ercole Secca- 
dinari Wurde durch ein Breve Clemend VII. als Architekt 
von S. Petronio bestätigt, trat indess schon am 31. Decem- 
ber 1531 von diesem Amte wieder zurück. Längere Zeit 
hindurch scheint nun der Bau geruht zu haben, bis der Ar- 
chitekt Francesco Terribilia neue Entwürfe "verfertigte, über 
welche das Gutachten des Andrea. Palladio eingeholt Wurde. 
Dieses ist nun in dem obigen Briefe enthalten, der, aus- 
ser der humanen Beurtheilung jenes Entwurfes selbst, dureh 
die gemässigte und anerkennende Art beachtenswerth ist, in 
welcher der Architekt von der gothischen Bauweise spricht. 
Offenbar ein Zeichen vorgeschrittener Einsicht und Bildung, 
wenn man damit die rohen Aeusserungen Filaretds über diese 
Bauweise vergleicht (s. o. Nr. 19). 
Nach einem Schreiben des Cardinale S. Sisto an den 
Grafen Pepoli (Rom 8. Juni 1580 bei Gaye III. 434) soll 
beim Weiterbau der Kirche die deutsche Art, zwar nicht so 
vollständig befolgt werden, wie man es in dem grüsseren 
Theile der eingereichten Zeichnungen sähe; indess soll ein 
Theil deutsch sein, um mit dem schon Begonnenen in Ein- 
klang zu steherl, ein anderer dagegen modern. Am 16. No- 
vember desselben Jahres wurde von dem "Reggilnento di 
Bologna," ein deünitiver Beschhlss dahin gefasst, dass mit 
versehiedenen Theilen der Zeichnung Tibaldfs die des Terri- 
bilia verbunden werden solle; statt der Fenster sollen Rund- 
fenster- angebracht werden; an Stelle des grossen Mittelfensters 
des Tibaldi solle ein Fenster naeh deutscher Art kommen, 
so gross und so weit es nur immer angehe, ähnlich den Fen- 
stern der Kapellen auf de-n Seiten. Uebrigens waren die Be- 
KünsLler-Bricfe. l. 29
        

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