Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386886
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storben ist, indenm er Euch zeigte, wie ergeben er Euch war 
and wie sehr die Verleumdnng ihn im Angesicht selbst eines 
so grossen Fürsten verletzt batte. 
Ich habe ihn beklagt uncl beklage ihn noch jede Stunde, 
wenn ich sehe, dass ich mein Werk niclxt mehr mit der 
Schnelligkeit, die ich mir vorgenommen, verfolgen kann; 
denn mm seine steten Bemühungen fehlen, fühle ich, dass 
mir äie Hälfte meines eigenen Ich fehlt. Es wird an Vor- 
trefüichkeit "und Güte der Arbeit sich nie eiu Oristofano nie- 
deriixlden. 
Die obigen mach Gaye Üart. Il. 403 mitgetheilteu Worte 
bildexl den Anfang eines grässeren Schreibens, welches einen 
speciellen Bericht über die Vasari iibertragenen Arbeiten an 
dem Um- uncl Neubau des palazzo vecchio zu Florenz ent- 
halten (vgl. clen Brief Michel Angelrfs m1 Cosimo I. S. 249). 
Wir haben jene Anfangsworte hier nur aufgenolnnlen, weil 
sie für (lie aus dem J allre 1528 herrührende Freundschaft 
der beiden Maler von Wiehtigkeit sind und uns Vasaü in 
BetreE der treuen Anhänglichkeit an den Freund, so Wie 
in der offenen Anerkennung von dessen Verdiensten um 
seine eigenen Unternehmungen von sehr liebenswürdiger Seite 
schildern. Vgl. Vasari IV. 194 H".  In clem Verlauf des 
Berichtes über jene Arbeiten im Palast bcfindet sich unter 
anderen folgende Stalle: ,,Icl1 glaube, mein erlauchtester Herr, 
rlass Gott, der Euch als Fürst geboren werden liess, Euch 
auch in allen Dingen begünstige. Denn ich sche täglich, dass 
alle, auch die schwierigstexl Dinge, sich mit grosser Leichtig- 
keit bewältiggen lassen; so dass ich dadurch begeistert, eine 
solche Zuversicht gewonnen habe, dass icl1 auch (lie schwie- 
rigsten und unerreiclxbarsten Dinge für nichts erachte." Es 
ist wahrlich eine ausgesuchte Schmeichelei, mit der Vasari (lie 
Erfolge seiner eigenen angestrengten Bemühungen als Resul- 
tate eines besonderen Schutzes schildert, clen der Hinnnel sei- 
nem Herrn angefleihen lasse. Dass aber Gott ilm vals Füf- 
sten lmbc gcboren Werde11 lassen" musste selbst Cosimo et- 
was komisch vorkomnmen, indem cr am besten Wusste, (lass 
er wecler durch irgenfl ein persünliches Verdienst, noch durch
        

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