Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386708
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mit diesem Briefe ein so langes Schweigen gebrochen, um 
Eurem Zureden ein Ende zu machen, dass ich nun, da ich 
gesund bin, Wieder krank, und da ich frei bin, ein 
Sklave, und da ich demüthig bin, wieder stolz werden sollte. 
Dies müge Euch genügen. Ich komme noch einmal darauf 
zurück, auf Eure Frage, was ich jetzt thue, zu antworten. 
Ich habe die Tafel des 11. Rocco beendet, und von den Män- 
nern der Oompagnia habe ich den Auftrag übernommen, die 
Kapelle und die Faeade mit der ganzen Verzierung zu machen. 
In der Kapelle habe ich auf dem Predell in Bezug auf 
die Pest dargestellt, Wie David das Volk zählen liess, und 
wie der Prophet Nathan ihm gesagt, der Herr würde ihn, 
weil er gesündigt, strafen und er solle sich selbst entweder 
die Hungersnoth, das Exil oder die Pest erwählen. Und 
dabei zeigt er ihm in der Luft den Hunger, eine dürre Figur, 
mit Getreideähren ohne Kärner in der Hand, die auf einer 
hungrigen Wälün reitet. Das Exil ist ein Känig auf der 
Flucht, der von seinen eigeuen Unterthanen verjagt Wird; 
die Pest mit vielen Pfeile-n und einem giftgefüllten Horne 
reitet auf einem Drachen, der mit seinem feurigen Athem, 
wie die Pest selbst, die Luft vergiftet. 
Auf der andern Tafel sieht man den Engel des Herrn, 
der mit Pfeilen des Volk niederschmettert, so dass Todte 
über Todte stürzen, und David wird darüber vonMit1eid er- 
füllt und fleht, da doch er und nicht das Volk gesündigt, 
die Rache des Herrn auf sich selber herab. Und Grott fasst 
(lie Hand des Engels 11m1 alsbalä härt die Geissel auf. 
Davicl kauft in dem Lande das Gebiet zu Areuna. Jebuseo, 
erbaut dort den Altar des Herrn und opfert ihm daselbst. 
In dem Bogen der Deeke habe ich Geschichten des 
Moses gemacht und darunter S. Pietro und Paolo in über- 
lebensgrossen Figuren. Und ebenso an der Aussenseite über 
zwei Thüren in je einem Tabernackel einen sitzenden Pro- 
pheten mit Killdern llnd darüber in den Frontons (lie Liebe 
von spie1e11de11 Kindern umgeben, and die HoHnung, welche
        

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