Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386697
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Unsere Neigungen aber, Weil sie schwankender Stimmung 
sind, und durstig nach Gold, so wie begierig nach Lob, Ruhm 
11m1 Ehren, führen uns üfter in cin Elend, das grüsser ist, 
als die Grässe, die wir suchen. Ieh danke Euch sehr für 
Eure weisen Rathschläge, denn ich bin von einem feindlicherl 
Geschick befreit, und Grott ist es, der mich befreit hat. Zu- 
erst hatte ich meinen Sinn dem grossen Ippolito de" Medici 
zugewendet, so dass Clemens VII. durch seine Vermittelung 
meiner Familie Hülfe angedeihen lassen sollte. Da nun aber 
der Eine wie der Andere gestorben ist, zündete die Hoif- 
nung die Lichter der Hingebung gegen den Herzog Alexan- 
der an. Und daher geüel es vielleicht dem Lenker aller 
Dinge, dass ich, von Rulnnesliebe, Gunst und Stolz verblen- 
det, ein solches Beispiel vor mir hätte, um daran, wie jeder 
Andere in seinen Diensten, das Elend und die geringe 
Zuverlässigkeit zu erkennen, die in der Hoifnung auf Fürsten 
liegt . . . . . 
Nun bin ich entschlossen für immer von 1neinen Mühen 
zu leben und stets mit meinen Arbeiten beschäftigt zu sein 
und wenn sie mir nicht hier in's Haus kommen, so werde 
ich sie aufsuchen gehen, wo deren sein werden; und so, auf 
Grott vertrauend, bin ich überzeugt, Gelegenlzeit zu finden, 
selbst für solche Menschen Bilder zu malen, die aich bisher 
daran noch nie erfreut haben. Das Studium der Kunst soll 
fort-an das Einzige sein, dem ich den Hof machen werde; 
uud ich hoife dadurch am wenigsten Gott, meinen _Nächsten 
und mich selbst zu verletzen. Die Einsamkeit wird mir don 
Haufen derer ersetzen, die man, weil sie einen loben und 
hoch erheben, zu fiirchten, zu lichen und zu beschenken ver- 
pflichtet ist. Und in dieser Einsamkeit mit der Betrachtung 
Grottes und mit Lesen beschäftigt, wird mir die Zeit ohne Sünde 
verüiessen und ohne don Nächsten durch üble Nachreden zn 
beleidigen. Das Leben im Hanse und der tägliche Anblick 
der Llutter soll mein Trost in meinen Sorgen sein, ilfldem 
ich nächst Gott ihr diesen Geist verdanke. NHH hafbe ich
        

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