Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386545
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Herr Jesus Christus, nachdem ihn Joseph von Arimathia von 
dem Kreuzesholze abgenommen hat, in das Grab getragexx wird. 
Ich habe mir dabei gedacht, dass diese Alten ihn mit 
Ehrfureht tragen. Einer derselben hat ihn unter dem Arm 
gefasst, und inrlem er den Rücken Christi gegen seine Brust 
stützt, schreitet er seitwärts. Der anclere, der seinen Herrn 
mit beiden Armen in der Mitte umfasst bat, trägt diese Last 
beim Schreiten, währenfl der heilige J ohannes, nachdem er schon 
das Kleid abgelegt, mit einem Arm clic Kniee, und mit dem an- 
deren die Beine des Herrn unterstützt, inflem er seinen Schritt 
rlen andern anpasst, 11m ihn zu begrabcn. Und wavährend sie 
in die Betrachtung des Todes ihres Heilarxdes VGfSÜYlkBH ein- 
herschreiten, silid die Maria, nämlich Magdalena, Jacobi und 
Salome, während sie den Todten begleiten und beklagen, 
damit beschäftigt, die heilige Jungfrau zu unterstützen, die 
im schwarzen Gewande mit iln-en thränenerfüllten Augen 
Kunde von dem Verlust ihres Sohnes giebt. 
1m Hintergrunde sind cinigc Küpfe von Jünglixxgen und 
Greise-n, die zur Bereicherung und zum Abschluss der Dar- 
stellung dienen. Eben so habe ich in der Landschaft die 
Schächer gemalt, die man, nachdem sie vom Kreuze abge- 
nommen sind, zum Begräbniss trägt. Einer hat sich die 
Beine auf die Schultern gelegt, der andere einen Arm 11m 
seinen Hals geschlungen, und so tragen sie riistig den Tod- 
ten. Ich werde mich bemühen, das Bild mit a11' dem Fleiss, 
der in meinem Vermügen steht, zu koloriren, damit Ew. Herrl. 
sehe, dass von mir keine Art des Studiums vernachlässigt 
wird, indem ich nicht blos Wünsche, dass der Unterhalt und 
(lie Unterstützungen, die man mir bietet, nicht blos Ew. Hochw. 
und deren Erl. Hanse, das von jeher jedes arme Genie un- 
terstützt hat, Ehre bringen, sondern auch mir selber. 
Ich will also Gott bitten, mir die Gnaäe zu gewähren, 
daSS ich die Ffücllte bfillge, die Ihr erwartet, und deren 
meine arme Famine bedarf. Ünd von ganzem Herzen spreche
        

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