Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386465
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scheinen, als 
zu stellen. 
ob 
ich 
nichts 
gethan 
hätt-e 
11m 
ihn 
zufrieden 
Mir thut es sehr leid, dass 61' nun, wo ich schon an- 
fing, einigen Erfolg zu gewinnen, mit seinem ga-nzen Hofe 
und dem Heere nach Ungarn gegen die Türken aufgebrochen 
ist. Denn obschon er seinem Haushofxneister Domenico Ca- 
nigiani genug zu meinem Unterhalt hinterlassen hat und ich 
eifrig meinen Studien nachhänge, so soheint es mir duel), als 
ob ich jenexl Genuss und jenen Zielpunkt verlüre, der Inei- 
nen Wunsch immer rage erhielt, ihm angenehm zu sein und 
mich in den Studicn moines Berufes abzulnühen. Ihr wisst 
es, wie ich (lieses Frühjahr, nm ihm des Biorgens die Zeich- 
nungen zu bringen, alle Stunden des Tages zum Malen be- 
nutzte; und um mir bei dem Zeichnen während-der Nacht 
den Schlaf von den Augen zu scheuchen, habe. ich sie mir 
mit dem Oel aus meinex- Lampe eingerieben, so dass, wäre 
nicht die Sorgfalt und die Medicin des Mons. Jovio geweseu, 
das Licht meines Tages erblichen wäre, ehe noch der Schlaf 
des Todes meine Augen geschlossen. Ich wercle unterdess 
hier bleiben, um das Bacchanal und die Schlacht der Satyrn 
zu vollenden, welche, weil sie scherzhafi und ergätzlich sind, 
bei der Besiehtigung einiger darauf beiindlicheu Dinge, ob- 
schun blos skizzirt, dem Cardinal viel Vergnügen gemacht 
und ihm sehr gefallen haben. 
Nach diesem will ich das Bild eines Harpokrates als 
Philosophen vollenden. Ich habe denselben nach den Alten 
mit sehr grossen Augen und eben solchen Ohren dargestellt, 
um anzudeuten, dass er sehr viel sah uncl härte. Die eine 
IIand aber hält er an den Mund, zum Zeichen still zu sein, 
und sehweigt. Auf dem Kopfe hat er einen Kranz von Mis- 
peln und Kirschen, welches clie ersten und letzten Früchte 
sind, und welche hier angebracht werden, 11m anzudeuten, dass 
herbe Effahmngen mit der Zeit den Menschen zur Reife 
bringen. Er iHt mit Oiner Schlange umwunden wegen der 
Klugheit, und mit der Haud hält cr eine Gans umsqhlungen
        

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