Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386404
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ehrten hieister Michel Angelo beachten; indem darin Vasari wirk- 
lich ungemein liebenswürdig erscheint. Vincenzo Borghini war 
neben Benedetto Varchi einer der ersten uncl angesehensten Ge- 
lehrten und, Geschichtschreiber, (lie zu Florenz Iebten,  
angesehen auch bei den Künstlern, obschon er sich viel mit 
der Kunst befasste. Seine Lunfassenden Kenntnisse, su Wie 
sein Geschlnack hatten ihm zu einem so grossen Einflusse 
bei allen künstlerischen Unternehmungen verholfen, rlass keine 
Festlichkeit in Florenz veranstaltet und kein gu-üsseres Werk 
der Skulptur oder der Malerei begonnen werden konntc, ohne 
dass man von ihm Rath, Beihülfe, oft bestinnnte Anordnung 
verlangte 1). Mit diesem stand nun Vasari in einer Freund- 
schaft, an deren Innigkeit Wir trotz der auch hier mitunter 
etwas hyperbolischen Ausdrucksweise doch nicht zweifehx 
dürfen. Als im Jahre 1558 Borghini auf einige Zeit von Flo- 
renz abwesend ist, klagt ihm Vasaü sein bitteres Leid darüber: 
,,Euch Will ich gar nicht bitten, sagt er, zurückzukehren, sondern 
meinen Herrn Jesus Christus, dass er Euch bald zurückkehren 
lasse!" Aehnlich sehreibt er ihm einmal im Jahre 1565 ,,er 
warte auf ihn mehr, als auf den Messias." Und nicht mi11- 
der bezeichnend ist ein Brief vom Jahre 1573 ,,Weder Ew. 
Herrlf, sagt er darin, "noch ich, haben uns gegenseitig die 
Liebe zu versichern, die wir für einander hegen, denn ich 
erfreue mich mit eurem Lächeln, und weine mit Euren Thrä- 
nen." Was aber schliesslich (las Verhältniss zu Michel An- 
gelo betriift, so haben wir dies schon oben mehrfach bespro- 
chen, und auch die nachfolgenden Briefe werden zur Ehre 
Vasarfs manches Zeugniss dawon ablegen. Nur eine Aeusse- 
rung desselben in einem Briefe an Borghini vom 9. April 
1560 mag hier noch Platz ünden. Nachdem er dem Freunde 
nämlich jenen Besuch bei Michel Angelo in Rom geschildert 
hat, dessen in clcn Briefen mehrfachErwähnung gethan wird, 
schliesst er äas Lob des Meisters mit fblgenden Worten: 
,,Eines aber bleibt noch übrig, das ist die Tugend dieses 
Greises in gewissen Dingen, die vom Himmel herab auf ihn 
Li 
1) Das gilt z. B. von den Bildern (Ut. V1sa1i 
  v'i'zmdll)k 
grobsen Saalcs un Palazzo vecchio zu malen hutte (Gbare  01:55 
und nicht minder filr die von Vasari in der Capella Paolä.   t) 
kanischen Paluste auszufüln-endeu Bild  B - " l d m] va  
landi Nuova Hacc. I. 122). e. ( (mm L 252 and Gui"
        

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