Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386393
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Hände gebraucht, als ob er ,,wa.hrhaftig selbst bei der Schlacht 
gewesen wäre." Ein andermal führt e'r äie Hände ,,Wie ein 
Querpfeifer!" Und in einem so1chen,,Meer von Miihen" geht 
es ihm "erzwohl" (Jo sto arcibene, Brief an den Prinzen 
Francesco vom 23. Febr. 1572. Gays III. 307). Von dem 
Bewusstsein seiner Mühen ist aber das Bewusstsein seiner 
Verdienste nicht zu trenneu. Der Trieb nach Ruhm, der 
ihn in früher Jvugend beherrschte, wird zur Gewissheit des" 
selben in seinem reiferen Alter. Als Michel Angelo gestor- 
berä xgar, fühlte er sich gewissennaassen als dessen Nachfolger 
un tellvertreter. ,,Ich werde mir immex-Mühe eben," schreibt 
er an Cosimo am 14.Ju1i 1564, "diese Küfste am Leben 
zu erhalten; wie Sie denn auch gesehen haben 11m1 noch 
täglich sehen, dass ich, um sie aufrecht zu erhalten, mit 
meinen Werken und Schriften, so wie clurch alle müglichen 
Bemühungexl bestrebt bin." Und wenn man die technische 
Fertigkeit, die rastlose Thätigkeit und die Meisterschaft des 
Machens vorzugsweise ins Auge fasst, su batte er auch ein wohl 
begründetes Recht, sich als Erben saines grossen BIeisters 
zu betrachten. Die Erhabenheit des Geistes, die den eigent- 
lichen Schwerpunkt von Michel Angehfs Wesen und Werken 
auSmacht, lässt sich h-eilich nicht vererberl.  
Als e: dann später an der Vollendung der Bilder in der 
Sala regia war, und Papst. Pins, in dessen Auftrag er diesel- 
ben gemalt batte, starb, da schreibt er an den Prinzen {Fran- 
cesco (am 2. Mai 1572): ,,c1ie Hoffnung auf den Lohn meiner 
Mühen ist mit Seiner Heiligkeit dahin geschwunden, der 
Ruhm Giorgiffs aber wird bleiben auf Jahrhunderte!" Nie- 
mals aber trltt jenes Selbstbewusstsein auf eine so abstos- 
sende und verletzende Weise, als etwa beim Bandinelli auf. 
Ueberhaupt darf man nicht glauben, dass bei dem Ueber- 
wiegen der bisher geschilderten Eigenthümlichkeiten von Va- 
sarfs Üharakter die stilleren Eigenschaften des Gemüthes ganz 
zuriickgetrete11 wärexl. Hier verdient es zunächst hervor- 
gehoben zu werclen,  Vasari in seinen Lebensbeschrei- 
bungen cler Künstler gerade cliejenigen Tugenden und Eigen- 
schaften un Künstlern mit dem grässten Lobe auszuzeichnen 
Püegfw die auf einer 1nilden und anspruchslosen Gemüthsrich- 
mng befuhell- Auch die Briefe enthaltexl manche Aeusserung 
der Art. Vor allem aber muss man hier das innige Verhält- 
niss zu scincm Freunde Vincenzo Borghini und zu seinem ver-
        

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