Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386389
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Wurde. Das volle Bewrxsstsein von beiden, seinen Studien 
und der durch sie erreichten Meisterschaft der Technik bil- 
det von nun an einen wesentlichen Theil seines Charakters. 
Er spricht gern über die Schwierigkeiten, die ihm diese oder 
jene Arbeit bereitet und über die Art, wie er sie überwunden 
hat. Dadurch kann er uns als Vertreter jener gesammten 
Kunstrichtung gelten, in weleher die unmittelbare, gleichsanl 
naive Produktion dem bewussten und wohlberechneten Schaf- 
fen Platz gemacht hat. Dies Bewusstsein, auf die Werke 
selbst übertragen, giebt denselben einen gewissen Anstrich 
von Absichtlickeit. Die Künstler arbeiten mit der bestimmten 
Absicht diesen oder jenen Elfekt hervorzurufen. Ebenso 
hängt damit die Vorliebe jener Zeit für die Allegorie zusam- 
men. Wer die Werke der Manieristen jener Periode kennt, 
wird dies vollständig darin bestätigt finden. Die nachfulgen- 
den Briefe bestätigen es auch ihrerseits fast auf jeder Zeile. 
Damit hängt nun ein anderer Zug in Vasarfs Charakter, 
als Künstler, wie als Mensch enge zusammen. Der unver- 
luältnissmässig gesteigerte Begehr nach Kunstwerken von Sei- 
ten der Fürsten und Herren sowohl, als der Privaten, stei- 
gerte die Zahl, wie die Produktivität der Künstler auf über- 
raschende Weise. Wir haben oben schon einmal auf die 
praktischen Inkonvenienzen hingewiesen, die daraus für die 
Künstler entstehen mussten. Für die Kunst waren die Fol- 
gen davon nicht Ininder bedeutend. Im Verein nämlich mit 
dem vollständigen Besitz technjscher Meisterschaft, musste 
dies eine Hast und gleichsaln Ueberstürzung in die Kunst- 
produktion bringen, die mit der stillen Sammlung und der 
liebevollen Hingabe des Künstlers au sein Werk, wie 
sie die vorhergehende Zeit noch zeigt, einen gewaltigen Kon- 
trast bilden. Ueberdies war auch in dem Wesen der Men- 
sohen überhaupt Erregtheit und Leidenschaftlichkeit mehr 
als früher zur Herrschaft gediehen. So geht auch hierin die 
Kunst mit dem Gemeingefübl der Zeit Hand in Hand. Es 
bedarf wohl kaum der Bemerkung, dass auch von dieser 
Richtung der italienischen Kunst Vasari als einer der ersten 
Yertreter betrachtet werden nnuss. Seine Werke bezeugen 
dles zur Genüge und (116 Brlefe nicht minder. Ich will hier 
nur darauf hindezlten, dass Vasari bei der Schilderunff solchen 
hastigen Treibens immer mit einem gewissen Woflgefallen 
verweilt. An der Türkenschlacht, in der Sala regia, die er, 
beiläufig gesagt, M011 für sein bestes Werk hält, hat er die
        

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