Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382477
xxxn: 
chen empfänglichen und gleichgestimmten Zeit zu schaf- 
fen und zu wirken. Dann ist die Kunst wirklich ein Bedürf- 
niss, uni der Künstler, der (lies Bedürfniss seiner Zeit befrie- 
digt, darf des freudigsten Entgegenkommens und der sehünsten 
Erfolge gewiss sein. Und so mag denn auch, ausser der 
Blüthezcit der Griechen, keinc anclere Periode so reich an 
Kunstliebe, Kunstsinn und Kunstverständniss gewesen sein, 
als das von uns besprochene Zeitalter, uncl die Künstler er- 
freuten sich im reichsten Maasse der Vortheile einer solchen 
Zeitrichtung. Aber nicht Alles verdankten sie der Verbin- 
dung so glücklicher äusseren Umstände. Man würde ihnen 
Unrecht thun, wenn man ihrem eigenen Verdienste nicht einen 
eben so grosscn Antheil an jenen Erfolgen beimessen wollte. 
Von dem künstlerischen Verdienst als solchem soll hier nicht 
gesprochen werclen. Die liebevolle Hingabe und die rastlose 
Arbeit des Studiums; das unermüdliche Bestreben, das Kunst- 
gebiet nach allen Seiten hin zu erweitern, dies Alles hat die 
Kunstgeschichte schon oft als die wesentlichsten Eigenthüm- 
lichkeiten und zugleich Verdienste der flamaligen Periode anf 
erkannt. Wohl aber verdient ein anderer Punkt hier beson- 
ders hervorgehoben zu werden. Es ist die Achtung vor der 
Wissenschaft, die Theilnahme an der Gesammtbildung der 
Zeit, der rege Verkehr mit deren Vertretern. Hierin liegt 
ein grosses Verdienst der Künstler und zugleich ein sehr we- 
sentlicher Grund zu der hohen Kunstblüthe jener Zeit über- 
haupt. Denn der werkthätige Künstler wird dadurch über 
die Grenzen der Werkstatt hinausgefuhrt und in Verbindung 
gesetzt mit den Bildungselementen, die in seiner Zeit wir- 
ken und thätig sind, namentlich aber in einer Zeit, welche, 
wie die damalige, noeh der Mittel einer so allseitigen und 
rasehen Kommunikation für den Gedanken entbehrte, wie sie 
die Gegenwart besitzt. Da war es vor Allem der persänliche
        

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