Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382468
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Immer aber bleibt die Stellung des Künstlers hoch geachtet 
und ehrenvoll, wie dies zahlreiche Beispiele in den nachfol- 
genden Briefen ergeben werden. 
Wirft man von diesem Standpunkte aus einen allgcmei- 
nen Blick auf den Verlauf der Kunstentwickelung während des 
XV. und XVI. Jahrhunderts, namentlich in Italien, so muss man 
gestehen, dass die damalige Stellung der Künstler eine in 
vielfaeher Beziehung günstige gewesen sei. Es kamen in je- 
ner Zeit gar viele Umstände zusammen, dem Künstler sein 
Verhältniss zum Leben und zur Kunst selbst sehr wesentlich 
zu erleichtern, seine Lage im Vergleich mit andern Perioden 
sehr vortheilhaft zu gestalten. Einmal nämlieh hatte das 
Leben selbst, das iiffentliche sowoh], als das private, persän- 
liche, sieh so reich und schän gestaltet, dass der Künstler 
von früh an gleiehsam von künstlerischen Eindrücken umgeben 
war. Sodann war (lie ganze Riehtung der damaligen Zeit eine 
vorwiegend künstlerische. Von allen Perioden der Gesehichte 
hat darin keine eine grüssere Aehnlichkeit mit der Blüthe- 
zeit des grieehischen Volkes und der griechisehen Kunst, als 
das XV. und die erste Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Denn wie 
die Griechen ihre künstlerische Anlage und Befähigung nieht 
bloss auf dem Gebiete der bildenden Künste als solcher be- 
thätigten, sondern ihr ganzes Leben und ihre ganze Existenz 
künstleriseh gestalteten, und wie sie gerade dadurch in der 
speeiellen Kunstübung zum Gripfel der Vollendung gelangten: se 
waren auch (lie Menschen in dem von unsbehandelten glücklichen 
Zeitalter an sich künstlerisch organisirt, und die kiiIISÜGÜSChE- 
' Gestaltung beschränkte sich nicht bloss auf die specielle Kunst- 
übung in Arehitektur, Skulptur und lNlalerei, sondern erstreekte 
sich auf alle Kreise und Verhältnisse des Lebens, der An- 
schauungen, der Ueberzeugungen. Ein schüneres Loos aber 
kann dem Künstler nicht geboteu werden, als in ciner sol-
        

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