Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386238
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heit undRohheit, die Vasari bei dessen Lebensbeschreibung 
hervorhebt und führten ihn zu Handlungen gemeinster Bos- 
heit, unter denen die sehändlicbe Zerstürung von Michel An- 
gelds berühmtem Karton im Rathssaale von Florenz obenau 
steht. Was sein Streben nach Geldgewinn anbelangt, so mag 
dafür u. A. des Schreiben Baldassare 'l'urini's au den Car- 
dinal Cibo angeführt werden, des von dessen Arbeit an den 
Grabmälern der Päpste Leo X. und Clemens VI. in der 
Kirche S. Dlaria sopra. Minerve zu Rom handelt und in dem 
die Bemerkung enthalten ist, Cavaliere Bandinelli habe alle 
die dafiir bestimmten Gelder zu verschlingen gewusst (Brief 
vom 11. März 1540 bei Gaye Oart. H. 277). Seine Be- 
gierde nach äusserlicher Ehre bekunden mehrere Briefe, die 
bei Bottari abgedruckt sind, wie die an Guidi vom 15. März 
1550, vom 11. und 23. Februar 1551 und vom 6. Dezem- 
ber 1553. Von den zuletzt angeführten Eigenschaften Wer- 
den die nachfolgexlden Briefe mannigfäliige Belege darbieten. 
S0 steht Bandinelli allerdings ziemlich vereinzelt unter seinen 
Zeitgenossen da, jedoch nicht ohne eine allgemeinere Bedeu- 
tung für die Geschiehte der Kunst in Ansprucll zu nehmen. 
Wo die letztere nämlich, wie dies schon bei vielen Künstlern der 
Lhmaligen Zeit der Fall war, bloss als technische Fertigkeit 
geübt wird; WO sie, wie bei Bandinelli, jeder hüheren leiten- 
den Idee und jedes sittlichen Gehaltes entbehrt, da kann sie 
zmch nicht mehr auf den Charakter veredelnd und läuternd 
einwirken. Dann schlägt die Kunst in äusserliches Machen 
11m; die "Leidenschaft des Ruhmes" in niederen Drang nach 
Gevrinn und Auszeichnung; der edle Wetteifer in der Kunst 
in einen widerwärtigen Kampf, der auch bäse und gemeine 
Mittel nicht mehr seheut; das stolze Selbstbewusstsein, das 
den wahren Künstler adelt, in kleinliche Eitelkeit, oder wie 
dies eher bei Bandinelli der Fall ist, in grossartige Selbst- 
überschätzung. 
Zwischen allen diesen Dingen ist oft nur eine feine 
Grenzlinie gezogen, die in einem oder dem anderen Punkte 
nicht selten von den Künstlern in der zweiten Hä-lfte des 
XVI. Jahrhunderts übersehritten wird. Bandinellfs Bedeu- 
tung für die Kunstgeschichte liegt darin, dass er sie auf jedem 
Punkte überschritten hat und uns somit als Inbegriff aller der 
Folgen gelten kann, die aus der rein äusserlichen Richtung 
der Kunst hervorgehen, oder (loch wenigstens enge mit der- 
selben verlmüpft erscheinen. Von dem Allen nun findell 51011
        

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