Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1386197
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so erwidern dicse, dass in dieser Beziehung die Malerei nicht 
nur der Skulptur gleichkolmnt, sonder-n sie bei Weitem über- 
trifft, wie auch weiter- unten auseinander gesetzt werclen wird; 
und Wenn jene meinen, man künne nichts mehr hinzusetzen, 
wo zuviel hinweggenon1n1e11 sei, so erwidern diese, dass, wenn 
man Bildhauer oder Dlaler sagt, immer ein ganz ausgezeich- 
noter Mcister in der Malerei odcr Skulptur genneint Wird, 
indem man von denen, die bloss dazu geboren sind, die eine 
oder die andere Kunst zu schänden, gar nicht einmal reden 
Inuss. Daher darf man denn aueh nicht glauben, dass ein 
gutel- Bildhauer hinwegnehme, wo es nicht näthig ist, Weil er 
Sonst das nicht tl1un würde, was die Kunst erfordert; son- 
dern er wird sein Modell so weit fertig machen, dass er ihm 
vie] leichter etwas lainzufügen oder Wegnehmen künnen wird, 
als der Maler. Und wenn_ er späterhin (las Modell auf das 
wirkliche Kunstwerk mit getreuen Maassen überträgt, S0 wird 
er nieht nüthig haben, etwas hinzuzufügen, weil er etwa zu- 
viel hinweggenommen bat; ein Fall aber, dass er wirklich 
etwas hinzufügen wollte oder müsste, wer weiss dann nicht, 
auf wie bequeme Weise sie dies thun kännen? 
Und dann, maeht man nicht Kolosse aus vielen Stücken? 
Und wie vielen Figuren wird nicht die Büste, oder die Arme 
oder was ihnen sonst fehlt, von Neuem gemacht? Granz ab- 
gesehen von den Einsatzstücken, die man in vielen Figuren 
sieht, die ganz neu mit solchem Flickwerk aus der Hand 
ihres Künstlers hervorgegangen sind. Denn darin besteht 
das Wesen der Kunst, dass, wenn auch eine Figur aus un- 
endlich vielen Stücken besteht, in so fern sie sich nur gut 
darstellt, der Vortrefüichkeit des Kunstwerkes dadureh kein 
Abbruch gethan wird. 
In Bezug aber auf den dritten Grund erwidern sie, dass 
es allerdings wahr ist, dass die beiden erwähnten Künste 
auf der Nachahmung der Natur beruhen; welche aber von "bei- 
den ihren Zweck arn besten erreicht, darauf Werden sie wei- 
ter unten antworten. Nur dies behaupten sie jetztv dass 
Kiinsller-Briefe. I. 24
        

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