Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1385819
halb nicht minder bedeutende Stellung als Arzt und Dichter 
ein, indem er, dan 1Iof nxeidend, es vorzog, von dern Ertrage 
seincr Burnfstl1ät.igkeit nnd im Krcise gcbildeter Freundc, 
nntcr denen auch Paolo Giovio genanrlt wirä, ein bescheide- 
neres 11m1 glüeklieheres Leben zu führen. Nachdenl er fünf- 
undzwanzig Jahre, wie ans Jem Briefe hervorgeht, in Rom 
gelebt, ging er nach sciner Vaterstadt zurück, zum grossen 
Leidwvesen saines lvreundes Sebastiano, der ihn durch Schil- 
(lerung wirklieher unä erfululener Gefahren, von Sinigaglia 
nach Rmn zurückzubringen sucht. Mit der verpestetexl Luft 
in Sinigaglia, (las in einer smnpügen Gegend lag, 1nochte es 
woh] seine Richtigkeit haben, Wogogen es mit den Türken, 
die ihn aus Corinaldo, einem wenige Miglien davon entfern- 
tem Orte, vertreiben würden, wohl nicht allzu ernst zu neh- 
men sein mag. 
Wer (lie übrigen in dem Briefe erwähnten Personen seien, 
lässt sieh kamn mit Bestimmtheit behaupten. Dass man bei 
dem Giulio nicht an GriLIÜO Romano zu denken habe, geht 
daraus hervor, dass dieser zu jener Zeit schon vierzig Jaln- 
alt war, nnd es sich hier oifenbar um einen jungen, noch 
in der Ausbildung begriffenen Menschen handelt. Vielleieht 
ist es ein Sohn Sebastiamfs, oder der in dem Brief an Are- 
tino crwähnte Musiker, der dzmn allerdings in der Zwischen- 
zeit nach Rom gekommen sein müsste.  Was übrigens Se- 
bastiamfs Versieherung anbetrilft, die Ernennung zu clem mit 
dem geistlichen Stande verbundenen Amte würde seine Sinnes- 
art in keiner Weise ändern, so hat er darin vollkommen 
Recht gehabt. Denn wenn er schon früher Freund eines 
guten Lebens war, so liess er es sich fortan nur um so mehr 
nngelegen sein, "die besten Weine und kostbarsten Gerichte 
auf seinen Tisch zu bekommen", ÜIH]. mit den bekannten 
Dichtern Molza und Berni und andern Freunden so heiter 
als mäglich zu verzehren (Vasari 436); und wenn cr schon 
in dem Briefe an den Aretino eine ziemliehe Nichtachtung 
des geistlicherl Stzindes aussprach, so bekundete er eine ähn- 
liclrre Unabhängigkeit der Gcsinnung noch gegen das Ende 
seines Lebens durch die von Vasari (S. 438) erhaltene Te- 
Stamelltsbesfimmllng: "sein Kärper solle olme priesterliches 
Geleite und ohne Aufwanfl von Kerzen zu Grabe gebracht, das 
Geld aber, welches (lies gekostct haben würdc, zur Ehre G01:- 
tes au Arme verthcilt werden."
        

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