Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1385729
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1510 nicht in Flurenz, sondern in Rom, wo er an der Decke 
der sixtinischen Kapelle arbeitete. Und zweitens passt in 
jene" Zeit nieht die Erwälmung der "Arazzi, die aus Flandern 
gekmnmen sind." Unter diesen nämlich sind die in Arras 
nach den Kan-tons des Rafael gewebten 'l'apeten zu verstehen, 
die "zum Schmuck der Wände der sixtinischen Kapelle be- 
stimmt waren und Welche erst 1519 nach Rom gebracht wurden 
und dämals alle Beschauer mit der grässten Bewunderung 
erfüllten. Der Brief konnte also erst nach jener Zeit geschrie- 
ben sein. Nun erwähnt Waagerl (Kunstwerke und Künstler 
in England I. 186) eines im Besitz der G-ebrüder Woodborn 
befindlichen Briefes des Sebastiano del Piombo an Michel An- 
gelo vom 29. December 1519, der sich auf das berühmte 
Bild des erstereq, die Erweckung des Lazarus darstellend, 
bezieht. Aus den oben angegebenen Gründen lag die Vermu- 
thung nahe, dass dieser Brief mit dem von Bottari mitgetheil- 
ten identisch soi, und nachdem ich dieselbe gegen Herrn 
Director Waagen ausgesprochen, wurde ich durch dessen 
fä-eundliche Auskunft über den näheren Inhalt des Londoner 
Briefes darin bestärkt; überdies machte mich derselbe auf 
eine Stalle in Passavanfs Reiselwriefen über England aufmerk- 
sam, worin  15) der Inhalt jenes Briefe in einer Weise 
angedeutet wird, dass über die Identität desselben mit dem 
obcn 1nitgethei1ten kein Zweifel übrig bleiben kann'). 
Was 11m1 den Inhalt unseres Briefes anbetriHt, so bezieht 
sich derselbe auf dus Hauptwerk des Sebastiano del Piombo, 
die Auferwveckung des Lazarus, welches derselbe im Auftrag 
des Cardinals Julius de' llledici, nachmaligen Papstes Cle- 
mens VIL, und unter besonderer Mitwirkung des Michel An- 
gelo gearbeitet hatte. Letztereln wird von Waagen sowohl 
die ganze Komposition "WGIXII vielleicht auch nur in einer 
 auch die detaillirte Ausftihrung des Lazarus selbst 
in einem grüsseren Karton zugeschrieben und auf diese Weise 
lässt es sich allerdings erklären, dass die Verbindung von 
Michel Angelds Entwurf und Zeiehnung mit dem vortrefHi- 
1) Schon waren die obigen Bemerkungcn dem Druck übergeben, 
als mir das Facsilnile des Bricfes selbst in dem von den Gebr. Wood- 
born herausgegebenen Catalogue of une hundred original drawings 
by Julio Romani), Primaliccio, L. da Vinci and P. del Vaga collected 
by Sir Thomas Lawrence Lond. 1826 zu Gesichl. kam und dadurch 
alle mvine (vhigen Vermutlnungen bestätigt wurden.
        

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