Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1385183
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Die Magdalena soll su thränenreich als müglich sein. 
Tizian mächte alle Mühe anwenden, das Bild recht schün zu 
machen. Es würde ihm nicht sehwer fallen, denn er känne 
eigentlich gar nicht anäers. 
Als Antwort auf den obigen Brief Tiziads und die Ueber- 
sendung des in weniger als einem Monat vollendeten Bildes, 
schreibt er folgendes: 
FEDERIGO 
GONZAGA 
21.11 
TIZIAN. 
Mantua, 
19. April 
1531. 
Messer Tiziano! Ich habe das Bild der h. Magdalena 
erhalten, dass Ihr für une gemacht habt. Ich glaubte wohl, 
dass dasselbe sehr schün werden würde, indem wegen Eurer 
Vortreifflichkeit in der Malerei kaum etwas anderes aus Euren 
Händen hervorgehen kann, zumal da, Ihr es für mich machtet, 
und ich weiss, dass es Euch lieb ist, mir gefällig zu sein. 
Nun aber {inde ich dasselbe in der That ausserordentlich 
schün und vollkommen, und wahrlich von allen Kunstwerken 
der Malerei, so vie] ich ihrer gesehen habe, scheint es mir 
das schänste zu sein, und ich bin dadurch mehr als zufrieden 
gestellt. 
Dasselbe sagt auch meine Erl. Frau Mutter, die das 
Bild als die vortrefflichste Sache lobt, und gesteht, dass sie 
dies vor allen andern ähnlichen Werken, die sie geselzen  
und sie hat deren viele gesehen und sich daran erfreut  
ungemcin hochschätzt. Und dasselbe sagen auch alle die 
Andern, die es gesehen haben, und sie preisen es nm so hüher, 
je mehr sie sioh auf die Kunst der lälalerei verstehen. 
Daraus ersehe ich, dass Ihr in diesem herrlichen Werke 
zugleich mit Eurer seltenen Vortreiflichkeit die Liebe habi; 
ausdrücken wollen, die Ihr zu mir hegt und dass diese bei- 
den Gfüllde Vefeillt, Ellch diese Figur so schün haben machen 
1assen, dass man sieh dieselbe nicht Schüner wünschen kann. 
Wie lieb mir dies aber sei, vermag ich nicht auszudrücken,
        

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