Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1385123
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ben l); auf die angestrengte Arbeit folgt ein anmuthigei- Ver- 
kehr mit Freunden, von denen der eine, nämlich Pietro 
Aretino, kaum ein anderes Lob, als (las eines witzigen Men- 
schen und guten Gesellschaffers val-client. Während Michel 
Angelo sich oft mit einem Stiickchen trockenen Brutes be- 
gnügte, giebt sich Tizian den Freuden eines reich besetztexi 
und mit heiterem Gespräch gewürzten Mahles hin. Michel 
Angelo erfreut sich der Verehrung der bedeutendsteil Für- 
sten seiner Zeit, aber er zieht keineniVort-heil daraus; cr ist 
oft gezwungen, den Päpsten be-i aller Freundschaft und Liebe. 
schroff entgegen zu treten; Tizian ist ein fciner Weltmamx, 
politisch, gewandt im hüfischen Verkehr, der, ohne seine par- 
sänliche Unabhängigkeit zum Opfer zu bringen, von jeder 
Situation, von jedei- neucn Bekanntschaft den besten Vortheil 
zu ziehen weiss  Michel Angelo hat sich selbst aus Liobc 
zur Freiheit verbannt und obsehon seine Gedanken mit Liebe 
an der Heimath hangen, Weist er, nicht ohne innern Kampf, 
auch die glänzendsten Anerbietungen, clahin zurück zu keh- 
ren, zurück; Tizian lebt glücklich in seinem frei gewählten 
Vaterlande, auch er wircl vielfach aufgefordert, in scheinbar 
glänzendere Stellungcn zu treten, aber das ist der einzige- 
Punkt, in dem er seinen fürstlichen Günnern nicht zu Wil- 
len ist, er bleibt in seiner bescheidenen, aber freieren Stellung 
als Privatmann, obschon auch nicht ohne von dieser Stelhulg 
wieder bestimmten Vortheil zu ziehcn (Br. 103). 
Michel Angelo, streng von Sitten, cntszmgend, wird erst 
in seinen reiferen Jahren von der Liebe bei-ührt, die mit 
idealer Gluth sein Wesen (lurchstrümt, ohne die Freuden des 
Genusses zu bieten; Tizian ist schon früh in der Liebe glück- 
lich und gleichviel, ob sie ihm die 1"'1'eunr1in a) oder die 
Gattin geboren, sehon früh im Besitz von Kindern (vgl. Br. 88), 
T1 
1) Tenendosi in casa onorevole servitü vestiva pomposamente 
da grau cavaliere e ne' viaggi clie fece alle corti de' Principi trattb 
sempre con generoso dispendio. Ridolfi Vite de' pittori Veneti. (Pad. 
1815) 1. 271. 
2) Sapea unire alP altezza deIPingegno la prontezza dello 
spirite e quella commandevole politica che sa pregiare i favori dei 
grandi e riceverli senza pregiudizio della libertil e deIPamor nazie- 
nale. Cadorin p. 10. 
3) Era modo di quel secolo beato di avermfamica o rcale 
fosse o immaginaria. Cadorinn p. 68, 18.
        

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