Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384953
245 
hhcnm, 
ANGELO 
8.11 
Oosnuo 
BONI, 
1. November 
1559. 
Die Florentiner haben schon oftmals den lebhaftesten 
Wunsuh gehegt, hier in Rom dem H. Johannes eine Kirchc 
zu errichten. Da sie nun jetzt, als zur Zeit Ew. Erl. Herrl. 
hoffen, es mit grässerer Leichtigkeit thun zu kännen, haben 
sie sieh dazu entschlossen, and fünf Männer über die Sache 
gesetzt, die sich mehrmals an mich gewendet und mich 11m 
eine Zeichnung zu besagter Kirche gebeten haben. Da ich 
nun weiss, dass Papst Leo  besagte Kirche schon be- 
gonnen, habe ich ihnen gerathen, die Sache nicht ohne Er- 
laubniss und Genehmigulmg des Herzogs von Florenz zu unter- 
nehmen. Nun aber, da man dies befolgt hat, habe ich einen 
sehr gütigen und freundlichen Brief von Ew. Erl. Herrl. er- 
halten, den ich für einen ausdrücklichen Befezhl halte, Iniclz 
des Baues anzunehmen, indem Ihr mir zu erkennen gebt, 
dass Ihr eine grosse Fraude daran haben werdet. 
Ich habe auch schon mehre Entwürfe dazu gemacht, 
passend fuir den Platz, den mir die vorbesagten Deputirten 
für äiesen Ban angewiesen haben, und diese, als Männer von 
grossem Geist und Urtheil, haben davon einen ausgesucht, der 
in der That auch mir als der prächtigste erschienen ist.  
Derselbe soll nun kopirt und mit grässerer Sauberkeit ge- 
zeichnet werden, als ich es wegen meines Alters vermocht 
habe. Er Wird sodann Ew. Erl. Herrl. übersendet werden und 
wenn er Euch gefällt, so soll er zur Ausführung kommen. 
Es thut mir in diesem Falle ungemein leid, so alt zu sein 
und mit dem Leben in so üblem Vernehmen zu stehen, se 
dass ich meinerseits nur wenig Üir besagten Bau versprechen 
kann; doch werde ich mich bemühen, in meinem Hanse daS
        

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