Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382328
XXIV 
stillen Gemüthes in denen des Benozzo Gozzoli (Nr. 15-47), 
auf die Naivetät in den Erzählungen Andrea Mantegnffs vnm 
Türken (Nr. 24) und vom Diebe (Nr. 26), au? die Sorgsamkeit 
und Liebe wie sie sich in dem Testaments des Lorenzo di Credi 
aussprechen (Nr. 52) u. S. f. Alles Züge, (lie sich in einer, 
natürlich mehr oder weniger moclificirten Weise, auch in der 
künstlerischen Produktion der angeführten Personen ausspre- 
chen. Aber auch noch eine allgemeinere Bedeutung kann 
solehen Charakterzeichnungen beiwohnen, auf welchen Punkt 
Wir später noch einmal zurückkonnnen werden. Jeder Mensch 
nämlich ist das Kind seiner Zeit und seiner Umgebung. S0 
kann uns in einem Charakter das Bild einer bestimln- 
ten Zeit- und Sinnesrichtung abgespiegelt werden. Man 
vergleiche z. B. die männliche Art, die edle gediegene Rede- 
weise des Leon Batista. Alberti (Nr. 7 E), mit dem unterthä- 
nigen und demüthigen Wesen, wie es sich in dem Widmungs- 
schreiben des Gioxfanni Santi (Nr. 28) ausspricht. Wir ha,- 
ben hier nicht blos den Gegensatz zweier sehr verschiedener 
Oharaktere, wir haben zugleich den Gegensatz des Frei- 
siaates von Florenz und des Herzogthums von Urbino, 
denselben Gegensatz, der sich in so umfassender und aner- 
kannter Weise in den Kunstschulen Toskanas und Umbrfens 
ziusspricht. Nicht minder wichtig sind in dieser Beziehung 
auch (lie Aeusserungen der Künstler über ihr eigenes künst- 
lerisches Schafen, über die Art ihrer Produktion, sowie über 
den Werth, den sie diesem oder jenem ihrer eigenen Werke 
beilegen. Aeusserungen der Art sind in der That nur sel- 
ten, immer aberA gewähren sie einen lohnenden Blick in (las, 
was ich als die innere Geschichte der Kunst bezeichnen 
mächte, in das eigentliehe Kunstbewusstsein (lei- verschiecle- 
nen Zeiten. Die Briefe des Leon Batista Alberti, des Fila- 
rete und des Andrea Palladio werden über die Architektur,
        

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