Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382318
XXIII 
massenhaft angehäufte Material zu bringen. Nun aber, da 
dieser Zweck zum grossen Theile durch (lie bede-utenden Leistum 
gen der modernen Kunstliteratur erreicht scheint, ist es erst 
mügliclz uucl dienlich geworden, zu jener Individualisirung 
überzugehen. Und wenn es bisher die Aufgabe war, (lie 
Personen zu idealisiren, (1.11. in den Bereieh der allgemeinen 
historisehen Ideen zu erheben, so kann man es jetzt als die 
Aufgabe betraehten, diese Ideen zu personiiiciren, oder mit 
andern Worten sie in ihrer konkretexx Existenz an und in 
bestimmten Personen nachzuvfeiscn. 
Zu jener Individualisirung gehürt nun aber vor Allem 
die Kenntniss des Charakters derjenigen Persünlichkeiten, 
die wir als Träger der künstlerischen Entwickelung zu be- 
traehten haben. ,,Die kleinen Züge," sagt der oben erwähnte 
Schriftsteller mit Recht, ,,die versteckten Eigenthümlichkeiten 
der Künstler, sind oft die Geschichte der Kunst selbst." Für 
diese giebt es aber weder einen reicheren, noch einen reine- 
ren Quell, als die Briefe der Künstler. Aus den kleinen und 
scheinbar unbedeutenden Aeusserungen, wie sie der dbriefliche 
Verkehr mit sich bringt, lässt sich der Charakter einer Persan 
oft deutlicher, als aus grossen und wohl überlegten Werken 
erkennen. Gerade das achtlose ,,Sich gehen lassen", wie es 
die brieüiche Mittheilung fast immer bedingt, giebt Aeusserun- 
gen der Art einen besonderen Reiz, aber zugleich auch einen 
besonderen Werth für die Forschung, der es gerade um die 
einfache und ungeschlninkte Wahrheit zu thun ist. Es mag 
hier nur kurz darauf hingedeutet werden, wie oft sich in der 
unabsichtlichen Oübnbarung des Charakters im Briefe und 
dessen Ausdrucksweise zugleich die Kunstweise offenbart, 
welche derselbe Künstler in seinen Kunstwerken bekundet. 
Man achte nur auf die unstete Weise in den Briefen des Fi- 
lippo Lippi (Nr. 5 und 6), auf die Züge eines einfachen und
        

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