Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384711
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alle Streitereien bei Seite lassen, Weil Eliese mehr Zeit kOSfLGII, 
als dazu gehürt, (lie. Figuren selbst zu machen. 
Wer (la aber behauptet hat, dass die Malerci edler sei, 
als die Sculptur, wvenn der clic anderen Dinge, die er ge- 
schrieben, nicht besser verstanden hat, dsmn llätte sie wahr- 
lich meine Dienstlnagd besser als er geschrieben. Ueber der- 
lei (iegenstände des Wissens liessen sich unendlicll vie] und 
noch nicht gesagte Dinge beibringen, aber wie ich schon sagtc, 
würden sie zu viel Zeit verlangen, und ich habe deren mu- 
wenig, denn nicht allein (lass ich alt bin, so zähle ich schon 
fast zu den Todten. Darum bitte ich Euch denn, mich zu 
entschuldigen; indem ieh mich empfehle, danke ich Euch so- 
viel ich weiss und vermag fiir die allzugrosse, mir nicht ge- 
bührende Ehre, die Ihr mir angerleihen lasset. 
Der obige bei Bottari (Race. I., 9) abgedruckte Brief 
bedarf seinem wichtigen nnd eharakteristisclxen Inhalte nach 
keiner Erlänterung. Michel Angelo spricht darin seine An- 
sicht über das Verhältniss der Scnlptnr znr Malerei in der- 
Selben klaren und kräftigen Weise ans, (lie allen scinen Aensse- 
rungen eigen ist. Wie ans seinen Werken selbst, geht auch 
ans dem Briefe hervor, dass seine künstlerische Thätigkeit 
eine wesentlich plastische und anch in der Malerei mehr anf 
das Element der plastischen Form, als auf den Reiz der Farbe 
gerichtet war, obschon er anch hierin, namentlich an der Decke 
der sixtinischenKapelle Grosses geleistet. Immer aber ordnet sich 
(lie Farbe dem Plastischen unter, nnd es ist von grossem In- 
feresse, zn sehenqvie diese Richtnng nicht blos eine nnbewnsste, 
lediglich dnrch die natürliche Anlage gegebene war, sondern 
wie tief cüeselbe in seiner ganzen künstlerischen Anschannngs- 
weise vnu-zelte und wie er sich dieselbe anch theoretisch be- 
gründet hatte. 
Nur in BetreE der änsseren Umstände des Briefes müchten 
einige Erlänterungen nüthig sein. Berledetto Varchi, an den 
derselbe gerichtet ist, war einer der bedentendsten 50s" 
kanischen Gelehrten der ersten Hälfte des XVI. Jahrhnn- 
derts. Ans Neigung hattc er sich den Hnmanitätssturllell 
gewiclmet, ans Folgsamkeit gegen den Willen des Vaters dem
        

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