Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1382308
XXII 
lerische Prnduktion überträgt. Vollständige Erkenntniss also 
kann nur dann erreicht werden, wenn wir neben und mit 
dem Bilde der rein künstlerischcn Thätigkeit eines Malers 
oder Bildhauers zugleieh aueh ein Bild von dessen Wesen 
and Charakter, von dessen Empfindungen und Anschauungen 
in Bezug auf das Wirkliehe Leben und dessen mannigfaltige 
Verhältnisse gewinnen. Nun kann man aber eine wahrhaft 
künstlerisch organisirte Persünlichkeit nieht theilen und tren- 
nen; noch sagen, dies ist des Künstlers, und jenes des Men- 
schen; vielmehr wird sich der wahre Künstler nicht blos vor 
seiner Staffelei oder seiner Statue, sondern auch im Verkehr 
des Lebens und allen seinen Ansichten und Ueberzeugungen 
als KüÄstler bekunden. _Es beclarf also die Kunstgesclwichte 
einer Ergänzung cladureh, dass uns statt der allgemein künst- 
lerisehen Bedeutung der Künstler das mäglichst konkrete Bild 
ihres ganzen Wesens und Seins gegeben wird. Orler, mit 
anderen Worten, die Kunstgeschichte muss individualisirt wer- 
dan. ,,Wem1 das Grenie eines Künstlers", sagt ein belgischer 
Kunstschriffsteller, Roger de Beauvoir, "and seine ganze 
Weise, wie er producirte, uns ein Räthsel schien, so lag (las 
Geheimniss in irgend einem Ereignisse saines Lebens ver- 
steckt und es war eben der Fehler der früheren Kunstkritik, 
in dem Bilde niemals den Bildner zu sehen, dem Maler nie- 
mals hinter die Leinewanrl zu blieken und auf die Verhält- 
nisse und Umgebungen seines Lebens nicht zu reüektiren." 
Es kann clieser Mangel kaum als ein Fehler der früheren 
"Kunstkriük" bezeichnet werden, sondern es war derselbe in 
dem ganzen Entwickelungsgange derKunstgeschichte als Wissen- 
schaft hothwendig begründet. Von einzelnen uncl zufälligexu 
Veranlassungen ausgegangen, konnte sie erst allmälig auf die 
allgemeinen Resultate hinarbeiten. Diese Arbeit aber musste 
zuerst gethan werden, um überhaupt eine Einheit in das
        

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