Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384606
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Ich aber, der ich mit Lob und Schnmach den grässten 
Theil der Verdienste und der Schwächen der anclern be- 
zeichnet habe, grüsse Euch, um nicht (las Wenige was ich 
bin, in Nichts zu verwandeln. Unrl auch dies Würde ich nicht 
zu thun Wagen, wenn nicht mein Name, der clen Ohren jedes 
Fürsten angenehm klingt, rlaclurch an seiner Ünwürdigkeit 
um Vieles verloren Ilätte. Und zwar- ziemt es sich wohl, 
dass ich Euch mit solcher Ehrerbiätung hochachte, indem (lie 
Welt viele Künige, aber nur eixren Michel Angelo hat. 
WVahrlich ein grosses Wunder ist es, dass dia Natur, die nichts 
so hoch stellen kann, äass Ihr es nicht mit Eurer Kunst 
wiederfindet, in ihren Werkeu nicht die Majestät auszudrücken 
vermag, welche die unendliche Gewalt Eures Pinsels und 
Eures Meissels in sich selbst trägt! So dass, Wer Euch sieht, 
sich nicht clarum kümmert, Phidias, Apelles und Vitruv nicht 
gesehen zu haben, (leren Geister nur der Schatten Eures 
Geistes waren. Aber ich halte es für ein Glück des Parrha- 
sius und der andern alten Maler, dass das Geschick der 
Zeiten ihnen nicht gestattet hat, dass ihre Werke bis auf den 
heutigen Tag leben. Denn das ist {lie Veranlassung, dass 
wir dem, was die alten Schriften davon ausposaunen, Glau- 
ben schenken, und es dahin gestellt sein lassen, Euch jene 
Palme zu geben, welche Euch vielleicht jene, Wenn sie vor 
das Tribunal unserer Augen gestellt werden künnten, selbst 
zuerkennen würden, indem sie Euch, als den einzigen Bildhauer, 
einzigen Maler und einzigen Baumeister preisen würdexl. 
Ist dam aber so, weshalb begnügt ]11r Euch nieht mit 
rlem Ruhme, den Ihr schon bis jezt erworben? Mir scheint 
es, als ob es Euch genügen sollte, die andern mit Euren an- 
dern Werken überwunden zu haben; indessen fühle ich, dass 
Ihr mit dem Ende des Weltalls, Welches Ihr gegenwärtig 
malet, die Schäpfung der Welt zu übertreifen gedenkt, die 
Ihr 8011011 gemalt habtl), auf dass Eure Bilder, von Euren 
Das 
ers terwähnte 
Werk 
ist 
eben 
das 
Weltgerichb 
auf 
der
        

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