Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384546
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Nun aber ist es bekannt, wie Michel fingelo von den 
grossen Aufträgen, clenen er sich mit dem besten Willen nicht 
entziehen konnte, fast erdrückt, clen eingegangenen Verpflich- 
tungen nicht nachzukommen vermochte. S0 wurrlen diesel- 
ben bci Allem, was er unternahm, zu einem (lrohenden Ge- 
spenste, das seiner Scele keinen Augenblick Ruhe liess. Als 
Michel Angelo nach dem Falle von Florenz mit unerhürtem 
Eifer an den Gräbern cler Mediceer in der Sakristei von S. 
Lorenzo arbeitet 11m1 die Freunde olfen clie Befürchtung 
seines nahen Todes aussprechen (vgl. den Brief" (les Mini 
oben S. 185 u. 203), (la ist es nicht nur (lie kürperliche Anstrcn- 
gang Michel Angelds, clic ihnen diese Furcht eingiebt, son- 
dern nicht mincler das "Herzeleid", (las ihm sein Streit mit 
clem Herzog Guidobaldo Il. von Urbino bcreitetc. Dieser närn- 
lich war der Testamentvollzieher Papst Julius" II. und hatte 
als solcher für (lie Ausführung des Grabmalcs zu sorgen. 
Nicht lange darauf hat der inzwischen von Papst Cle- 
mens VII. nach Rom berufene Michel Angelo den oben mit- 
getheilten Brief an Sebastiano del Piombo geschrieben, in 
welchem er dessen Mithülfe in Anspruch nimmt, (lie Ange- 
legenheit mit dem Herzoge zu Enäe zu fiihren. Auf (len 
tiefen Kummer, der ihm dieselbe verursacht, beziehen Sich die 
Worte im Anfang des Briefes, dass es Sebastian ehrenvoller 
sein würde "Todte zu erwecken", als lebenclig erschei- 
nende Figuren zu malen, inclem sich Michel Angelo, von je- 
ner Serge befreit, gleichsam wie vom Tode zu einem neuen 
Leben erweckt betrachtet. 
Der Brief hatte denn auch zur Folge, dass ein neuei- 
Kontrakt unter Mitwirkung Clemend VII. abgescldossen wurcle, 
der im Wesentlichen Michel Angelds Wünschen entsprach.  
Den 20. April 1532 nämlich wird von Michel Angelo einerseits 
und zwei Bevollmächtigten des Herzogs von Urbino andrerseits 
festgesetzt, dass die beiden früheren Kontrakte annullirt seien. 
Michel Angelo solle von allen seinen früheren Verbindlichkeiten 
frei sein, dagegen aber nach seinem Grutdünken ein neues Modell 
machen. Die sechs begonnenen Figuren selle er mit eigner 
Hancl vollenden. Encllich im Verlailf von clrci Jahren (lie 
2000 Dukaten, von flenen er auch in flem Briefe spricht, 
so wie ein ihm frühei- gegebenes Haus in Rom wiederheraus- 
gebcn, so wie er sich auch anheischig machte, etwa sonst 
noch nüthige Ausgaben für dus Grabmal selbst zu bestreiten. 
Papst Clemens VIL, mit dessen Bewilligung dieser Kontrakt
        

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