Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384484
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menzufassen suchte, lässt sich ein derartiger Vorbehalt solu- 
gut erklären.   
Dass unter diesen Umstänclen auch auf die am Schlusse 
des Briefes beündliche Aeusserung über Rafael, auf welche 
schon oben S. 167 Anm. 1 hingewiesen ist, kein grosses Ge- 
wicht gelegt wercleil clarf, müchte wohl kaum cine-r besomle- 
l'en Erwähnung bedürfen. Sie scheint selbst Reumont, der 
von der Aechtheit des Briefes überzeugt ist, Bedenken zu er- 
regen (a. a. O. S. 26); mir ist sie ein Gruncl mehr dafür, 
dass der Brief von einem der Anhänger Michel Angelds ge- 
schriebcn ist, cleren partheiischei- Ailflässung "von Michel An- 
gelds uncl Rafaefs Verhältniss zu einancler dieselbe vollstän- 
(lig entspricht. (Vgl. oben S. 114 und Br. 105.) 
Ueber clie iängelegenheit des mehrerxvähnten Grabmals 
Papst Ju1ius' H. giebt Brief 56, so wie die nachfolgencle 
Supplik Michel Angelds an Papst Paul III. uncl (lie clfxzu 
gehürigen Erläuterungen Aufschluss. WVas flagegen die in 
cler Nachschrift erwälmte Flucht Michel Angelds betrifft, so 
ist die Veranlassung clerselben SCllOH oben S. 171 ailgegeben. 
Da. das Ereigniss selbst, sowie. die darauf erfolgte Aussüh- 
nung mit Julius II., für (las Verliältrliss jener beiden gros- 
sen Männer ungemein wichtig ist, so müge es gcstattet sein, 
hier einige Dokumente anzuführen, welche die Ei-zählung Va- 
sarfs und Condivfs, so wie clic wahrscheinlich von clieser ab- 
hängigen, in unserem Briefe theils bestätigen, theils bericlitigen. 
So zunächst das Brave Julius II. VOHI 8. Juli 1506 an 
den Gonfaloniere (clan Bannerträger der Gerechtigkeit) von 
Florenz, worin es folgendermaasscan lieisst: "Der Bildhauer 
Michel Angelo, der von uns ohne Grund und unbedachtsam 
weggegangen ist, fürchtet, wie wir lxären, zu uns zurückzu- 
kehren. Wir zürnen ilim nicht. Wir kennen (lie Gemüther 
dieser Art Menschen. Damit er indess allen Verdacht ab- 
lege, so ermahnen wir Ew. Ergebenheit, sie mäge ihm in 
unseren Namen versprechen, dass er, wenn er zu uns zurück- 
kellrt, unverletzt und ungefährdet sein soll und dass wir ihn 
wieclei- in (lerselben apostolischen Gnade lialten wolleil, in 
gel: eräär siiägm Weggehen gehalten Worden ist." Bottari 
ace.   
Aber selbst diese Versichcrung genügte nicht, Michel 
Angelds Furcht zu besevitigen. Er kannte (lie lxeftige Ge- 
müthswvcise (les Papstes uml sclxeiilt  cin hüchst beachtens- 
werther Zug seincs Charakters,  von sciner lilurcht, vor den
        

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