Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384439
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dass er mich hat vertheidigen müssen; und überdies, wenn 
Ew. Ehrwürden zu meiner Rechtfertigung ein Wort "sagen 
zu künnen glaubt, S0 thut es, weil ich Wahrheit schreibe V0)! 
den Menschen, ieh sage nicht vor Gott; ich erachte Inich 
einen Ehremnann, denn ich betrog nie einen Menschen, und 
um sich gegen die Bäsen zu vertheidigen, muss man, wie Ihr 
sehet, bisweilen verrückt werden. 
Ich bitte Ew. Ehrwürden, wenn es die Zeit erlaubt, diese 
Geschichte zu lesen und sie mir zu gute halten; wisset fer- 
ncr, Hir (las Meiste des Geschriebenen habe ich noch Zeu- 
gen; und auch wenn der Papst sie sähe, wäre es mir lieb, 
und we-nn alle Welt sie sähe, denn ich schreibe die Wahr- 
hait, und viel Weniger noch, als wirklich der Fall ist, und 
ich bin kein Dieb und Wucherer, sondern ein adliger floren- 
tiner Bürger und Sohn eines Ehrenmaune-s, und bin nicht 
aus Caglf). 
Nachdem ich geschrieben, ward mir eine Botschaft von 
Seiten des Gesandten von Urbino ausgerichtet, des Inhalts: 
ich mäge 1nich mit meinem Gewissen zurecht ünden, wenn 
ich wolle, dass die Bestätigung komme; ich sage, so was ge- 
sclzieht mir, weil ich ein Michelagnolo bin, mit einem Her- 
zen, das aus einem solchen Teige gemacht ist. 
Noch ferner sage ich hinsichtlich des Grabmales des 
Papstes Julius: da er seinen Sinn geänrlert, dasselbe bai sei- 
nen Lebzeiten machen zu lassen, und unterdessen äie lange 
vorher von mir zu Carrara. bestellten Marmorstücke auf Bar- 
ken anlangten, und ich vom Papste kein G-eld erhalten konnte, 
weil es ihn nun reuete: so musste ich die Fracht bezahlen 
mit hundert und Fünfzig oder aber zweihundert Dukaten, welche 
mir Baldassare Balduccio, nämlich die Bank Messer Jacopo 
Gallds, vorschoss, nm die Fracht für die genannten Marmor- 
1) Cagli ist ein Städtchen an der aus der Romagna durch den 
Furlopass nach Umbrien führendexl Strasse. Es scheint meist vnn 
gemcinen Leuten bewolmt gewesen zu sein, da obiger AHSdfHCk 
sprüclnffürtlich werden konnte. Reumont. 
Kiinsller-Briefe. l. 13
        

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