Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384419
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N. S. Noch habe ich Einiges zu sagen; und dies ist, 
dass clieser Gesandte vorgiebt, ich habe mit dem Gelde des 
Papstes Julius gewuchert und mich dadurch bereichert, als 
habe Papst Julius mir achttauscnd Dukaten hingezahlt. Das 
Geld, welches ich für das Grabmal erhalten, will sagen, die 
Auslagen, Welche ich in jener Zeit für das Grabmal bestrit- 
ten; man wird sehen, dass diese der Summe nahe kommen, 
und man sollte von dem zu Clmnens" Zeit gemachten Kon- 
trakte reden; denn im ersten Jahre Papst Julius", als er mir 
die Verfertigung des Grabmals auftrug, brachte ich zu Car- 
rara. acht Monate mit Herbcischaifung der lälarmorblücke zu, 
und brachte sie auf den St. Petersplatz, wo ich hinter S. Cate- 
rina Wohnte; darauf wollte Papst Julius sein Grabmal nicht mehr 
bei seinen Lebzeiten machen lassen und hiess mich Inalen; dar- 
auf hielt er mich zwei Jahre zu Bologna, den Papst von Erz 
zu machen, der später zerstürt Wurde; darauf kehrte ich nach 
Rom zurück und blieb bei ihm bis zu seinem Tode, immer 
offen Haus haltend, ohne Gehalt, immer vom Gelde des Grab- 
mals lebend, da ich kein anderes Einkommen besass. 
Dann nach Julius" Tode wollte der Cardinal von Agens 1), 
an dem Grabmal solle ferner gearbeitet werden, aber in grüs- 
serem lNIassstabe; und ich liess die Marmorbläcke nach dem 
Macello de' Corvi schaEen und jene Wand in S. Pietro in 
vincola. arbeiten, und machte die Figuren, welche ich in mei- 
ner Wohnung habe. In jener Zeit stellte sich Papst Leo, 
da, er nicht wünschte, dass ich das Grabmal vollenden sollte, 
als wolle er in Florenz die Facgade von S. Lorenzo machen 
lassen, und frug deshalb beim Cardinal von Agens an, so 
dass dieser gezwvungen mir Erlaubniss gab, unter der Bedin- 
gung, in Florenz am gzenannten Grabmal Ju1ius' zu arbeiten. 
L 
1) Im Original immer Aginensis genannt. Wenn hier steht, er 
lmbc in grüsserem Massstabe an dem Grabmal arbeiten lassen wol- 
len, so isf, dies nichb in Bezug auf den ersterl grossen Enlwurf, son- 
dern auf defletzten ldeixlen gesagt, nach welchem dus Denkmill auf- 
gefülnrt wordexl ist. Reumont.
        

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