Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384320
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S0 vertheidigt ihn gegen den Vorwurf, cr sei seiner Gesimnlng 
und der Liebe zur Freiheit untreu geworden, Varchi in der 
in Cosinufs I. Auftrag gehaltenen Leiehenrede: "damals sei 
er nicht ohne den gewichtigsten Grund geflohen, und die ihn 
deshalb mit Unrecht tadeln, übersehen es, dass er selbst nieht 
ohne die grässte Lebensgefahr zurückkeln-te, um seine Kräfte 
nicht dem Vaterlande zu entziehen!" S0 gross war damals, 
selbst nach dem Verluste der Freiheit, die Achtung vor un- 
abhängiger Gesinnlmng, dass solche Worte unter Billigung,  
im Auftrage eines Selbstherrschers ans jener Familic gespro- 
chen Werden durften, gegen welche einst gekämpft zu haben, 
von Michel Angelo als Lob gepriesen wird! 
Und in der That, der Muth und die Gesinnung"), Welche 
Michel Angelo bewegten, nach Florenz zurückzukehren, waren 
grässer und ehrenwerther, als die Gründe, es zu verlassen, 
tadelnswerth gewesen waren, wenn diese überhaupt Tadel 
verdienten. Denn die Stellung der Vaterstadt war in der 
inzwischen verlaufenen Zeit nicht günstiger, sondern im Gegen- 
theil um vieles gefahrdrohender und unsicherpr geworden; 
üherdiess Wusste er, dass ihn in der Heimath Stiafe erwartete, 
während ihm überall, wohin er sieh sonst gewendet hältte, 
Auszeichnung und ehrenwerthe Stellung sicher waren; auch 
wenn er sieh nieht zu den Medieeern und zu dem Papste 
begeben wollte, die ihn unbedingt und mit oifenen Armen 
aufgenommen haben würden. Und so ist nichts geeigneter, 
als dies Ereigniss, um uns einen tiefen Blick in die grosse 
Seele dieses gewaltigen und doch S0 menschlichen Charak- 
ters thun zu lassen, und uns zu neuer "Verehrung desselben 
zu zwingen. 
Was nun den weitern Verlauf der Dinge betriift, so kün- 
nen hier wenige Andeutungen genügen. In Florenz hatte die 
Flucht Michel Angelds grosse Bestürzung im Volke erregt; 
man betrachtete ihn als eine Stütze der Freiheit. Je häher 
man ihn bisher geachtet (vgl. den Brief der Signorie an 
Gal. Giugni vom 28. Juli 1529 bei Gaye II. 197), um 
so härter wurde er jetzt getadelt. Die Behürden sprachen 
die Acht über ihn aus (30. Sept. 1529). 
Am dreizehnten Oktober schreibt Giugni für ihn den 
obigen Brief, auf den am zwanzigsten die Antwort erfolgt: 
 
l) ,,Aus Liehe kehrten sie zurück zum Vaterlande" sagb Nardi 
in seiner Geschichte von Florenz.
        

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