Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384315
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Kapelle von S. Lorenzo und den dortigen Medieeergräbern 
zu arbeitenl), stand, seine persänlichen Verhältnisse zu den 
Mediceern der Liebe zum Vaterlande hintenansetzend, auf 
der Seite des Volkes und wurde in die Kommission der Neun 
erwählt, welehen die Vertheidigung der Stadt anvertraut war. 
In dieser Stellung setzte er namentlich die Befestigung 
(les Hügels von S. lNliniato durch, deren Arbeiten er persün- 
lich leitete. Vgl. u. a. GayelI. 197 H". De aber von einem 
der Kriegshauptleute, Malatesta, seinen Anordnungen nicht 
naehgekommen und im Heere schon von Verrath gesprochen 
vrird, begiebt sieh Michel Angelo in die Stadt, um dem Ruth 
seine Befürchtungen mitzutheilen; man glaubt ihm nicht, und 
er Wird obenein noch als Feigling verspottet. Heftig und 
leidenschaftlich wie er war, beschloss er die Stadt zu ver- 
lassen, ein Entschluss, in dem ihn das lebhafte Zureden eines 
Gefährten und endlich auch wohl die Fureht, die Stadt würde 
doch am Ende unterliegen, noch bestärkten. Er packt sein 
Geld (3000 Dukaten) zusammen und verlässt nebst seinem 
Gefaihrten und seinem treuen Diener die Stadt. 
In Ferrara werden ihm vom Herzoge, in Venedig, wo er 
vierzehn Tage auf der Giudecca, ganz zurückgezogexl lebtg), 
vom Dogen und dem hüchsten Adel die grüssten Ehren zu 
Theil. Aber sehon reut ihn seine Flucht, die Liebe zum Vater- 
lande erwacht und ohne irgend eine andere äusserliche Ver- 
anlassung bittet er Giugni, den florentinischen Gesandten in 
Ferrara, seine Rüekkehr nach Florenz zu vermitteln, welcher 
Bitte dieser durch den obigen Brief entspricht. 
Wenn Michel Angelo mit jener Flucht ein Unrecht be- 
gangen, Wenn ihn selbst in der durch die Zurückweisung von 
Seiten des Rathes veranlassten Verstimmung die Furcht um 
die Sicherheit der Stadt und folglich um seine eigene Persan, 
vielleieht mehr als recht war, mitbestimmt batte  so hat er 
dies alles durch die freiwillige Rückkehr wieder gut gemaeht. 
l) Schon am 19. Olstober 1524 quittirt Michel Angelo über 400 
schwere Golddukaten, die ihm als sein Gehalt für acht Monat Arbcit 
an den ,,Figuren in S. Lorenzo und allem andern, was ihm der Papst 
Clemens VII. aufgetragen," von Gio. Spina ausgezalnlt worden sind. 
BotLRacc. VIII. 44. Facsimile in dem Woodborwschen "Catalogue 
01' one hundred original drawings hy Michel Angelo collected by Sir 
Thomas Lawrcnce." London 1836, p. 30. 
2) Er hat dort bei vierzehntägigem Aufenthalt nach der von GRYÜ 
lI. 213 erwähnten Rechnung nur 20 Lire ausgegeben.
        

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