Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384284
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Wenn ich nämlich üfter die ungeheure Grässe Deiner 
Verdienste 11m mich überdenke, so werde ieh zu der Ueber- 
zeugung gebracht, dass ich auch nicht einmal den geringsten 
Theil davon verdienen känne, selbst Wenn ieh nicht blos alle 
meine Fälügkeiten anstrengen, sondern sogar mein Blut für 
Dich vergiessen würde. 
Eben so sage ich Dir auch meinen grüssten Dank, dass 
Du mich dazu auserwählt hast, Heu Johannes zu erzie- 
hen und zu unterrichten; mit der Rücksicht jedoch, Glass 
Du wissest, Wie sehr es mir leid thut, Euren Wünschen 
und dieser mir auferlegten Last nicht genügen zu künnen. 
Auch bitte ich Dich, es zu bewirken, dass, wie gleich An- 
fangs gesagt mude, mir einige Belohnung gegeben werde, 
indem ich näanlich von vielen Bedürfnissen bedrängt bin. Ich 
werde Gott Tag und Nacht bitten, dass 61' es Dir für mich 
wiedererstatte. Das aber, Franciscus, kann ich nicht loben, 
dass Antonius so lange auf dem Lande bleibt und dia Be- 
treibung der Studien vernachlässigt. Ich ersuche Dich, wenn 
Du in Gegenwärtigem etwas unverständiges und unschünes 
findest, mich zu entschuldigen; ich erwarte mit Freuden Deine 
Briefe und empfehle n1icl1, so viel ich vermag, Deinem Wohl- 
wollen. Liebe mich mit derselben Liebe, clie ich zu Dir 
hege. Und nun schliesse ich, lebe wohl und sei glücklich! 
In grosser Eile. 
Der ebenfalls im Privatarchiv der Mediceer aufbewaln-te 
und von Gualandi Nuova Raccolta I. 24 mitgetheilte Brief ist 
von Michel Angelo lateinisch geschrieben und insofern von 
grosse-m Interesse, als er uns zeigt, wie Michel Angelo von 
der allgemeinen klassisehen Bildung jener Zeit berührt gewesen 
ist, mit deren hauptsächlichsten Vertretern, namentlich mit Po- 
lizian er schon im Hanse saines ersten Gänners, Lorenzo des 
Prächtigen bekannt und befreundet geworden war. Die Sprache 
des Briefes ist allerdings nicht von grosser Reinheit, vielmehr 
an 11121111311611 Stellen ziemlich inkorrekt. Indess auch abgese- 
hen davon, dass der Brief, wie Michel Angelo selbst sagt,
        

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