Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384268
176 
Die in dem Briefe genannten Personen sind grossentheils 
Mitgliedex- bcfreundeter fiorentinischer Familien, von deneix 
die Cavalcanti mit Lorenzo durch dessen Grossmutter Ginevra 
Cavalcanti, sogar nahe vcrwaildt waren. 
Mit dem Cardinal ist wahrschcinlich der von Vasari er- 
wähnte Cardinal S. Giorgio gemeint, welcher Name irrthüm- 
lich in S. Gregorio vcrwandelt ist. Denn mit diesem Cardi- 
nal, es war Rafael Riario, war Michel Angelo dadurch be- 
kannt geworden, dass derselbe die von Michel Angelo gear- 
beitete Marmoriigur eines Cupido, die ihm aber von Baldas- 
sare del ÄMilanese als antik gepriesen wurde, gekauft hatte. 
Die Sache machte, als der wirkliche Künstler von einigen 
llllorentinern angegeben wurde, grosses AÜfSGlIlBII. Milanese 
musste clen hohen Kaufpreis von 200 Dukaten wieder heraus 
geben,  cr selbst hatte nur 30 Scudi dafür gezahlt  
Michel Angelo aber kam zu grossen EhIGH. Dass dics der 
wahre Verlauf dieser von andcrcn auch anders erzählten An- 
gelegenheit sei, schliesse ich daraus, dass Michel Angelo, als 
er bald darauf nach Rom ging, wie sich ans unserem Brief 
ergiebt, mit dem Cardinal in freundschaftlichem Verkehr stand, 
ja, wie Vasari angiebt, fast ein Jahr lang bei ihm blieb. 
Was nun den specicllen Inhalt des Briefes anbelangt, so 
betriEt derselbe meiner Vermuthung nach eben jene von Vasari 
erzählte Angelegenheit mit dem für antik gehaltenen Cupido 
des Michel Angelo. Baldassare ist oifenbar der von Vasari 
genannte Baldassarc del Milanese. Alle anderen Umstände 
trelfen zu und es gewinnt meine Vermuthung dadurch, dass 
es Michel Angelo daran gelegen sein musste, das Werk, das 
ihm so grossen Ruhm eingebracht, cntweder für sich, oder 
eher noch fiir dcn befreundeten Lorenzo zurück zu erhalteix, 
so grosse Wahrscheinlichkeit, dass ich mich wxlndere, sic we- 
dcr von Gualandi und Livcrati, die den Brief publicirt 
haben, noch von Fürster, der ihn in der deutschen Ueber- 
setzung des Vasari  a. O. 272, Anm. 25) anführt, ausge- 
sproc-hen zu sehen. 
Ueberdies mag noch bemcrkt werden, dass der Ausdruck 
des Briefcs ,,i1 bambino" als Bezeichnung fiir clic Figur voll- 
stänclig der yon Vasari gebraucvhten, also indirect auch von 
 
sehr wohl überein und isL vielleü  
Künstler (Br wvar 22Jah1- ah) d mm Sogm m" dmser dem jungen 
 , et erst. kurz vorher (lie Heimalh ver- 
lassen, enlgegeben worden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.