Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384224
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mit der ganzen Hartnäckigkeit seines Oharakters auf seinem 
Rechte besteht, eben, weil er von seinem Rechte nicht las- 
sen will. 
Es waren nämlich dem Michel Angelo als theilweise Be- 
lohnung für das jiingste Gericht in der Sixtinischen Kapelle 
(lie Einkünfte einer Fähre über den P0 bei Piacenza ausge- 
Setzt worden. (Vasari p. 358 N. 153). In der Auszahlung 
clerselben scheinen nun einige Unregelmässigkeiten eingetre- 
ten zu sein und Michel Angelo beklagte sich zu Papst Paul III. 
übei- diese Ungerechtigkeit und drohte sogar, alle seine da. 
maligen Arbeiten einzustellen, wenn ihm nicht sein Recht 
würde. Darauf musste Salvator Pacini an Pier Luigi Far- 
nese, den Herzog von Panna und Piacenza schreiben und 
auf regelmässige Auszahlung der (irelcler dringen. Der Brief 
datirt vom-5. Januar 1546 unrl es heisst (lai-in, dass sich der 
Papst wiedei- sehr über Michel Angelds Angelegenheiten ge- 
ärgert habe. Der Herzo m6 e also veranlassen, dass die 
Bezahlung regelmässig stgttündä, damit S. Heiligkeit keine 
Unannehmlichkeiten mit Michel Angelo habe, der ihm alle 
Tage viel Kopfzerbrechens mache und sich an den begonnenen 
Werken weiter zu arbeiten weigere'). Dass aber diese Ver- 
stimmung Michel Angelds nicht aus dem Ausfall eines peku- 
niären Gewinnes, sondern nur aus clem Gefiihl, in seinem 
Rechte gekriinkt zu sein, hervorging, bedarf kaum eines wei- 
teren Beweises, inclem er fast um dieselbe Zeit das grüsste 
and schwieiigste We-rk seines Lebens, den Ban von S. Peter 
ämtegnzihlrlfi, unteä feusdrücäxlichlcii- Zlizirückwnäisiänänallef llllldzjbl 
er eo nung aür, un se st  apst au  (UPGI u- 
rücksendimg eines illm zugedachten monatlichen Gehaltes von 
100 Goldscudi in grossen Zorn versetzte, ohne sich von sei- 
ner Weigerung abbrixigen zu lassen.  
In allen diesen, sowie in manchen anderen von Vasari 
und Conilivi erzählten Einzelheiten, giebt sich dieselbe Festig- 
keit und Stren e einer nur clem Grfissten und Hächsten nach- 
strebenden Seeflle zu erkennen, die sich in Bezug auf (las ge- 
wähnliche Leben in einer fast bis zum Uebermaass gestei- 
gerten Einfachheit and Enthaltsamkeit bekundet, indem 
er mit einer gerade fiir die damalige genussfrohe Zeit 
1) Acciochä S. Santitä non habbia piü molestia da costui, che 
ogni giorno gli fa romper il capo et non vuol lavorarPopex-e 
cominciate. G ualandi Nuov. Race. IL, p. 22 (f.
        

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