Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384211
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saines Lebens. Insbesondere sind in dieser Beziehung (lie, 
Nachrichten wichtig, (lie von seinen Zeitgenossen über das 
Verhältniss angegeben Werden, in welchem er zu den Päpsten 
stand. S0 gross die Anzahl derer War, die er dan heiligen 
Stuhl besteigen sah, immer steht er denselbcn mit der Selbst- 
ständigkeit eines innerlich oinigen und abgescldossenen (Jharak- 
ters and mit dem edelen Stolz des wahren Künstlers gegenüber. 
Welch ein energischer, kühner und leidenschaftlicher Charak- 
ter war niclat Julius IL? Die Geschicke der Welt lagen 
in seinen Händen und die Welt zitterte vor ihm. Michel 
Angelo stcht ihm, damals noch jung, unerschütterlich und 
ülrchtlos gegenüber, wo es gilt, fiir seine Ideen einzutreten. 
Und als er Während einer zwischen ihnen beiden ausgebroche- 
nen Misshelligkeit von einem Palastbedienten, wahrscheinlich 
in Folge eines von dam Papste in leidenschaftlicher Aufwal- 
lung gegebonen Befehles, mit geringerer Achtung behandelt 
wird, als er gewohnt und durch langen vertrauten Verkehr 
mit dem Papste zu fordern berechtigt war, da. ist er rasch 
entschlossen und obschon er von des Papstes Zorn überzeugt 
ist, geht er augenblicklich auf unfl davon and begiebt sich nach 
seiner IIeimath Florenz. Aber der Papst kann nicht ohne 
ihn sein; grossen Naturen, wie die seinige war, ist es eiu 
Bedürfniss, eine gleiche Grüsse, wenn aueh mitunter im Kampfe, 
Bich gegeniiber zu haben. Alla Mittel weräen angewenflet, um 
den Künstler zurüekzubringen, freies Geleit in Aussicht ge- 
stellt, vollständige Versühnung gebotexx. Endlich urird eine 
Zusammenkunft beider in Bologna verabreflet, und es erfolgt 
die Aussühnung jener beiden unbeugsamen, aber geistig ver- 
wandten Naturen in einer Weise, (lie dem Papste w-ie dem 
Künstler zu gleich hoher Ehre gereicht. Vergl. Br. 56 a. 
Dieselbe Festigkeit zeigte er bei den mannigfaltigsten 
Gelegenheiten gegenüber rlen anderen Päpsten, denen er 
cliente und (1611811 er dadurch nur um so lieber geworden zu 
sein scheint. J a, es ist sdgar ein Fall durch einen erst neuer- 
dings publicirten Brief bekanrlt geworden, in welchem er auch 
in Geldangelegenheiten, die ihn sonst sehr wenig berührten  
1) Er war nie nach Geld begierig, noch suchte er Schätze anzu- 
häufen, zufrieden mit dem, was zu einem anständigen Leben genügte. 
Deshalb nahm et auch nur wenig Aufträge an, und diese wenigen 
mehr aus Freundschaft, denn aus I-loffnung auf Gewinn. Condivi 
p. 81.
        

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