Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384204
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grossen Heroen, Cosimo und Lorenzo, zu Feinden derselben 
Freiheit geworden, die jene geschützi; 11m1 gefärdert hatterx. 
Damals handelte es sich um einen Lorenzo, jetzt um einen 
Alexanrler. Und was Papst Clemens betrii-"ft, der übrigens 
weniger unmittelbar an jenem Kampfe betheiligt war, so hat 
ihm Michel Angelo mit einer Liebe und Hingebung gedient, 
wie nur je ein Diener seinem Herren, und selbst nach dessen 
Tode seine Anhänglichkeit an ihn in rührender Weise be- 
kundet'). 
S0 war Michel Angelo vollständig berechtigt zu seinem 
Thun; seine Gesinnung muse vor jedem Richterstuhl als frei 
von allem Tadel and vielmehr des hüchsten Lobes würdig 
erachtet werden, um so mehr, als dieselbe niemals in Form 
einer gehässigen Feindseligkeit auftratg). Und so hat cr 
denn auch dieselbe bis in sein hüchstes Alter bewahrt, wvie 
wir weiter Lmten an melueren Beispielen nachweisen wverden. 
(Erl. zu Br. 55). Er brachte ihr das grüsste Opfer, das er als 
Florentiner zu bringen vermochte, er verbanrxte sich selbst 
aus dem seiner Freiheit beraubten Vaterlande, und keine An- 
erbietungen, so glänzend sie auch waren, vermochten ihn in sei- 
nem Entsehluss wankend zu machen. Er, der das Florenz 
des Lorenzo gekannt hat und in der Luft der Freiheit gross 
geworden War, mochte das unter Oosimds Herrschaft ernie- 
drigte Vaterland nicht wieder sehen. Ein Opfer, das um 
so grässer erscheint, als seine Vaterlandsliebe tief in seinem 
Herzen gewurzelt war, wie sich dies noch spät in dem rüh- 
renden, gegen Vasari ausgesprochenen Wunsche ausspricht, 
einst neben den Gebeinen seiner Eltern begraben zu liegen. 
Dieselbe Festigkeit und Unbeugsamkeit der Gesinnung, 
bekundete Michel Angelo in allen Lagen und Verhältnissen 
1) S0 weigerte sich Michel Angelo, auf dem Bilde des jüngsten 
Gerichtes, das unter Papst Paul III. ausgveführt wurde, das Wappen 
dieses Papstes anzubringen, wei] die Idee und der erste Beginn des 
Werkes von Clemens VIl. herrührte, und gegelm seinen eigenen Wunsch 
musste wirklich der sonst nicht sehr nachgiebige Papst dem Künst- 
1er nachgeben, der nun das Wappen Clemens VII. daran anbrachte. 
2) Einen Vorwurf der Art, dass niimlich Michel Angelo im 
Jahre 1528 vorgeschlagen haben solle, den Palast der Medici zu schlei- 
l'en und an dessen Stelle einen freien Platz mit dem Namen ,,piazza 
de, nmli" anzulegen, weiset Benedetbo Varchi nach genauen Erkun- 
digungen entschieden zurück.
        

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