Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstler-Briefe
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1381935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1384188
1935 
mit einer gewissen Weichheit der Empfindung auf das NVun- 
derbarste verbindet.  Zunächst erscheint Alles gross ange- 
legt bei ihm; in der Kunst t-ritt dies als Gewaltigkeit der 
Konception, als Kühnheit und überraschende Sicherheit in der 
Ausüihrung auf. Und was sein Verliältniss zu seiner Zeit 
und Umgebung betriiTt, so steht er, Wie von der Grässe und 
dem Ernst seiner Gedanken getragen, gleichsam über dem 
Verkehr der Welt; erhaben, aber einsam. 
Und dann war sein Leben der Art, dass ihm kein 
Schmerz und kein Kummer erspart wurde; bis in sein hohes 
Alter hinein, bis zu jener Zeit, wo andere von ihrem Tage- 
werke auszuruhen pflegen, sehen wir ihn mit Sorgen und 
Widerwärtigkeiten aller Art umringt. Der Dom von S. Pe- 
ter, das grosse DenkmaLin dem sein Name Jahrhunderte 
überlebt hat, bei seinen Lebzeiten War es da-s Kreuz und die 
Plage seines Greisenalters, Wie dais Monument Papst Julius" II. 
das Kreuz und das Ifeiden seiner lifannesjahre gewesen war. 
AJoer nichts von dem Allen vermochte die Kraft seiner Seele 
zu beugen. Immer ging er gestärkt und gekräftigt aus jenen 
Kämpfen hervor. Michel Angelo, Wie A. von Reumont ein- 
mal von ihm sagt: "in der Wiege schon ein Held  war in 
der That eine grosse und edle Heldennatur, (lie durch 
Kämpfe aller Art, innerliche wie äusserliche, gross gezogen 
und zu ihrer geistigen Ilühe erhoben worden ist.  
Wie gross muss nicht sein innerer Kampf gewesen sein, 
als es galt, zwischen der Freiheit und den Medici eine Ent- 
scheidung zu treHen! Von Lorenzo dem Prächtigen War er 
erzogen, von ihm war ihm die erste Gelegenheit zur künst- 
lerischen Ausbildung gebuten, in seinem gastlichen Hanse er- 
starkte an dem geistigen Verkehr der bedeutendsten Männer 
von Florenz sein jugendliches Gemüth in Bildung und Sitte; 
später wair ihm Lorenzds Sohn, Giovanni, mit dem er einst 
als Kind desselben Hauses an einem Tische gespeiset hatte, 
als Papst Leo X. ein freundlicher Gänner geworden; endlich 
Giulio, Lorenzcfs Neife, Wie jener, mit Michel Angelo fäst in 
demselben Jahre geboren, als Papst Clcmens VII., ein mil- 
der Herr, fast Freund zu nennen. Da brach jener Kampf" 
zwischen den Mediceern und der Republik Florenz aus, 
der zum Untefgang der letzteren Hihren sollte. Der 
alte Freiheitssinn, der Florenz gross gemacht 11m1 zur ersten 
Beiträge 
italien. 
ZÜF 
290. 
Geschichte I.,
        

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